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Im deutschen Reich · 1897-06-01 · Heft 6 (Juni 1897) · p. 316

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 6 (Juni 1897)
Article
Moses Mendelssohn's Verdienste um die deutsche Sprache
Date
1897-06-01
Page
316 (sequence 6)
Language
German
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316 Im deutschen Reich. Stiles spricht sich Mendelssohn selbst in sehr abfälliger Weise Abbt gegenüber aus (gcs. Werke V, 316): „Wolfii jus naturae habe ich gelesen. ... Es ist etwas mühsam, das barbarische Geschwätz des alten Mannes zu durchlesen." Seine ästhetischen Forschungen hat er in der Schrift „Ueber die Empfindungen", die in Brief, form verfaßt ist, in der „Rhapsodie über die Empfindungen" und in mehreren größeren und kleineren Aufsätzen niedergelegt. Einen großen Theil ästhetischer Fragen erörtert er auch in seinem Briefwechsel mit Lessing, und es ist von nicht geringem Jnterefle, zu beobachten, wie der gelehrte Lessing durch das Feuer und die schneidige Schärfe seiner Rede oft als Sieger über den ruhig und methodisch denkenden Freund hervorgeht. In metaphysischen wie ästhetischen Schriften aber verstand es Mendelssohn, „seine reiche Gedankenwelt, die sich durch eifriges Studium der besten philosophischen Autoren in ihm aufgebaut hatte, in einer Form zur Darstellung zu bringen, die dem Volke direkt zu Herzen ging, die aber auch von einem Zauber ist, der seinen Schriften die uuverweltliche Frische bewahrt und sie zur anziehendsten Lektüre jedes Gebildeten macht." Hatte sich nun der Stil Mendelssohn's in seinen philosophischen Abhandlungen als ein durchaus origineller und kunstvoller erwiesen, so zeigen seine kritischen Schriften wieder einen ihm ganz eigenthümlichen, anmuthigen Charakter. Hier ist es der liebliche- Hauch der Ruhe und Milde, der alle seine Schriften durchweht, verbunden mit der didaktischen Feinheit und eleganten Ironie, die Mendelssohn imnier zu Gebote stand. Jede Spur von Gereiztheit der Sprache, in die der Kritiker doch so leicht verfällt, ist vermieden; nur völlig ruhige Objektivität in der Beurtheilung und Sprache. Ja, selbst seinen persönlichen Gegnern tritt er mit dieser Ruhe entgegen. Das zeigt sich am deutlichsten im Streite mit Lavater. Wie schön sind die Worte Mendelssohn's, mit denen er seinen Gegner zur Eintracht uud Freundschaft auffordert (ges. Schriften II, <sy): „Kommen Sie! Wir wollen uns in Gedanken umarmen! Sie sind ein christlicher Prediger und ich ein Jude. Was thut dieses? — Sind wir doch Beide Menschen." Es bleibt noch übrig, einige Worte über diejenige Thätigkeit Mendelssohn's zu sagen, die ihn in den letzten Jahren seines Lebens beschäftigte. Es ist dies die Bibelübersetzung.

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