Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1897)
- Article
- Moses Mendelssohn's Verdienste um die deutsche Sprache
- Date
- 1897-06-01
- Page
- 315 (sequence 5)
- Language
- German
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ITTofcs Mendelssohil's Verdienste um die deutsche Sprache. 31» liebster Freund; denn ich glaube, wir geben uns in diesem Punkte nichts nach. Wir zirkeln und bilden eine Periode; aber wir wissen das Geheimniß nicht, mit der letzten Meisterhand den Schweiß der Kunst von ihrem Angesicht zu wischen." So dachte der Mann von seinem eigenen Stil, der durch seinen „Phädon" sich getrost messen .konnte mit seinem griechischen Lehrmeister. Hervorragend ist die Gewandtheit, mit der Mendelssohn in dieser Schrift alle Ansichten vorträgt, die von Plato bis auf Leibniz über die Frage nach dem Wesen der Seele und der Unsterblichkeit hervorgetreten sind, und wie er bei der größten didaktischen Schärfe eine Klarheit der Sprache entwickelt, die dies Werk zu dem schönsten Produkte einer klassischen deutschen Prosa macht. Wieder ist es die Form des Dialogs, die er hier zur Anwendung brachte. Es liegt ein ganz cigenthümlicher Zauber in dem schönen Sprachgewande, in das Mendelssohn alle seine philosophischen Schriften kleidete. Nicht poetische Formen und Gestalten gab er seiner inneren Welt, sondern eine Prosa, aus der die himmlische Musik seines Enkels zu tönen scheint. Wenn Jemand berechtigt ist, ein Urtheil zu fällen, welches für philosophische Ergüsse die geeignetste Sprache sei, so dürfen wir uns wohl als den besten Richter Kant erwählen, der sich über Mendelssohn's philosophischen Stil so ausspricht: „Wenn sichdie Muse der Philosophie eine Sprache erkiesen sollte, so würde sie diese erwählen, . so frei von aller Sucht nach blendendem Schmucke und doch so elegant, so scharfsinnig und doch so deutlich, so wenig nach Rührung arbeitend und doch so eindringend." Waren schon in den metaphysischen Schriften Mendelssohn's Spuren von einer seltenen Klarheit und Anmuth des Stils bemerkbar, so zeigen sich diese Vorzüge noch deutlicher in seinen ästhetischen Werken. 'Durch Lessing angeregt, hatte sich Mendelssohn dem eingehenden Studium französischer und englischer Acsthetiker gewidmet. Was er diesen aber verdankt, bezieht sich nicht so auf den Inhalt als auf die stilistische Form seiner ästhetischen Untersuchungen. Er verdankt ihnen die farbenreiche und anmuthsvolle Sprache, die um so mehr den deutschen Geschmack erwecken mußte, als man auf diesem Gebiete bisher an die trockne Systematik Baumgarten's und an die schwere lateinische Terminologie Wols's gefesselt war. lieber diese Plumpheit des