Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1897)
- Article
- Moses Mendelssohn's Verdienste um die deutsche Sprache
- Date
- 1897-06-01
- Page
- 317 (sequence 7)
- Language
- German
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Moses Mendelssohn's Verdienste um die deutsche Sprache. 317 WaS Mendelssohn zu diesem Schritte, der in der damaligen Zeit außerordentliche Schwierigkeiten und Feindschaften ihm bereitete, veranlaßte, war wieder sein feines Gefühl für die deutsche Sprache. Ihm war nichts mehr verhaßt, als der Mischmasch von jüdisch und deutsch, und er schreibt selbst über diesen in einem Briefe an Klein (ges. Werke V, 604): „Ich fürchte, dieser Jargon hat nicht wenig zur Unsittlichkeit des gemeinen Mannes beigetragen, und ich verspreche mir sehr gute Wirkung von dem unter meinen Brüdern seit einiger Zeit auskommenden Gebrauch der reinen deutschen Mundart." Mendelssohn schlug nun denselben Weg ein, den der deutsche Reformator der christlichen Kirche eingeschlagen. Durch Luther's Bibel begann der Aufschwung des Deutschthums, durch Mendelssohn's Uebersetzung des Pentateuch traten die Juden in das deutsche Kulturleben ein. Man kann nicht leugnen, daß Mendelssohn nicht immer mit kritischer Genauigkeit den Urtext verdeutscht hat; aber wir müssen bedenken, daß es ihm auch nickt auf eine genaue Uebertragung des Textes in die deutsche Sprache ankam, sondern vielmehr auf eine ansprechende und zur' Lektüre einladende Schreibart. Wie er selbst aber über diesen Punkt geurtheilt hat, ersehen wir aus seinem Vorwort zu den Psalmen <Ges. W. VI, 130): „Lies Du ebenso, mein Leser, wie ich geschrieben habe; vergiß auf eine kurze Zeit alles dessen, so Du von diesem Psalm bei Uebersetzern, Auslegern und Paraphrasten gelesen hast. Lies meine Uebersetzung und urtheile! Bei nochmaliger Vergleichung wirst Du finden, daß ich an vielen Stellen von allen meinen Vorgängern weit abgegangen bin; sei aber überzeugt, daß es niemals ohne Grund geschehen ist. Ich muß wenigstens geglaubt haben, so den Geist meiner Urschrift besser zu erreichen, so dem wahren Sinne näher zu kommen und ihn so in unserer Sprache besser auszndrücken." So wirkte nun das Streben Mendelssohn's, die deutsche Sprache in guter und schöner Form zu handhaben und zu verbreiten, veredelnd auf seine Glaubensgenossen ein, und die Bibelübersetzung war ihnen eine „Lichtsäule", von welcher geleitet sie aus der Wüste eines wirren Sprachgemenges in das lichte Gebiet der bereits zu hoher Ausbildung gelangten Muttersprache und dadurch in das deutsche National- und Kulturleben eingeführt wurden. Hat sich uns Mendelssohn nun in dem Vorhergegangenen ans seinen eigenen Schriften als ein Meister und Vollender