Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1897)
- Article
- Das Heidenthum der Neuzeit
- Date
- 1897-06-01
- Page
- 308 (sequence 14)
- Language
- German
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308 Im deutschen Reich. Jüdische wirkt zersetzend, sondern das Renegatenthum! Der berühmte Thomas Carlyle kennzeichnete solche Ueberläufer in seinem Buche: „Blicke eines Engländers in die kirchlichen und sozialen Zustände Deutschlands", indem er sagte: „Gleich dem leeren Blatt zwischen den beiden Testamenten stehen auch sie zwischen beiden, weisen aber keins von beiden an sich auf und sind von allen Klassen der Gesellschaft die allerprinziploseste, d. h. sie sind solche, die in allem Denken und Handeln von jeder sittlichen Norm am weite st en heruntergekommen sind. Haben sie nun eine Lebensaufgabe zu erfüllen, so können sie sich denn auch ganz selbst, mit Leib und Seele und allem, was sie sind und an sich haben, in jegliche Beschäftigung, von welcher Art sie sei, hineinleben, ohne durch irgend eine Zurückhaltung oder ein Gewissensbedenken gehindert, oder durch ein Vorurtheil gefesselt, oder durch Erwägung einer Verpflichtung gebunden zu sein. Sie sind vielmehr auf diese Weise völlig käuflich, sei esnun im S t r e b e n nach Mammon, sei es nach Vergnügen oder nach Ruhm. Und wenn sie dann von der Anstrengung zum Genuß fortschreiten, so ist die Sphäre ihres Genusses so von äußeren Umständen bestimmt, daß gerade ihr Reichthum in einem solchen Luxus vergeudet wird, wie er am meisten dem Fleische fröhnt". Tieftraurig ist es aber, daß, wenn die sittlichen Defekte solcher Ueberläufer offenkundig werden, diese getauften Juden unfern Gegnern wieder als „Juden" gelten! Dann hängt man uns diejenigen, welche in den Tagen ihres Glück» sich als die schlimmsten Feinde ihrer ehemaligen Glaubensgenossen erwiesen, wieder an die Rockschöße, dann wird selbst von Männern, die sich rühmen, von alten christlichen Familien abzustammen, über die Wirksamkeit der Taufe und der christlichen Erziehung an Judensprößlingen in einer so absprechenden Weise geurtheilt, wie niemals darüber ein Jude zu urtheilen wagen würde! Selbstverständlich thun dies vorzugsweise diejenigen, die ihre eigene Religion immer nur dann im Munde führen, wenn sie ihnen das Mittel gewähren soll, den Fanatismus ungebildeter Menschen gegen Andersgläubige zu entflammen, die man besonders deshalb haßt, weil sie Träger einer uralten Kultur sind, die zwar nicht auf germanischem Boden entsprossen ist, aber doch immerhin hier die tiefsten Wurzeln ge-