Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1897)
- Article
- Das Heidenthum der Neuzeit
- Date
- 1897-06-01
- Page
- 307 (sequence 13)
- Language
- German
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Das Heidenthum der Neuzeit. 307 biblischenTraditioneu festhält. Es ist bezeichnend, daß von den vom Judenthum Abgefallenen sehr viele offenkundig konfessionslos oder doch im Innern ungläubig werden. Daß rin Jude, besonders wenn ihm in der Jugend gar kein jüdischer Religionsunterricht oder doch nur ein ungenügender ertheilt worden ist, aus Ueberzeugung zum Christenthum übertreten kann, darf und wird nicht von uns be st ritten werden! Wenn aber rein äußerliche Beweggründe des Uebertritts offenkundig sind, wenn ein Jude seinen Glauben verleugnet, um bei einem studentischen Corps Aufnahme zu finden, um eine lang erstrebte Anstellung oder Beförderung zu erlangen, dann verliert das Judenthum an ihm nichts, und das Christenthum gewinnt sicher nichts an dem Manne, der etwas zu glauben schwört, was ernicht glaubt! Vielleicht ist die Zeit nicht mehr fern, wo die in Staat und Kirche maßgebenden Persönlichkeiten einsehen werden, daß es ein verhängnißvoller Fehler ist, auf den Uebertritt eine Prämie z u s e tz e n, daß Staat und Kirche dabei nur gewinnen können, wenn nur die Rechtschaffenheit und Fähigkeit und nicht das Glaubeusbekenntniß bei Anstellungen, Beförderungen und Ehrenämtern maßgebend sein würden! An charakterlosen Strebern und gewiffenlosen Gesellen verliert das Judenthum nichts, selbst wenn einzelne Abtrünnige wirklich durch Bildung und Vermögen hervorragen. Je mehr in den Zeiten einer judenfcindlichen Strömung Charakterstärke und Entsagung dazu erforderlich sind, dem Judenthum treu zu bleiben, desto besser konservirt sich dasselbe. Eltern, die ihre Kinder aus übergroßer Zärtlichkeit ihrem Glauben entfremden, sind sicher beschränkte Menschen, die sich selbst bestrafen, indem sie ihre Kinder nicht nur von ihrer Religion, sondern auch von ihrer Familie loslösen, deren sich diese jugendlichen Convertiten später zu schämen pflegen und nur zu häufig dadurch entäußern, daß sie als die erbittersten Judengegner durch den tollsten Fanatismus ihre Abstammung vergcffen zu machen suchen. Keine Religion gewinnt durch neue Bekenner, welche sich ohne wahre Ueberzeugung ihr zugesellen; dieser Zuwachs trägt in die neugewählte Religionsgenossenschaft nicht nur anerzogene fremde Anschauungen sondern auch denzersetzendenGeistderJrrel i g i o s i t ä t und materialistischer Irrlehren hinein. Nicht das