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Im deutschen Reich · 1897-06-01 · Heft 6 (Juni 1897) · p. 304

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 6 (Juni 1897)
Article
Das Heidenthum der Neuzeit
Date
1897-06-01
Page
304 (sequence 10)
Language
German
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304 3m deutschen Reich. zur „Encyklopädie" erweiterter Bibel-Kommentar ist und deshalb keine andere Moral als die „biblische" hat. Der alttestamentliche Gottesbegriff, die Grundlage für Judenthum und Christenthum, ist von der Bibel-Moral unzertrennlich. Die eigentliche Gottähnlichkeit des Menschen besteht in der Kraft, das Gute vom Bösen zu unterscheiden und frei zu wählen. Der Satz „Eritis sicut Deus scientes bonum et malum“ ist deshalb eine heilige ewige Wahrheit! Der „wissenschaftliche Antisemitismus" mußte folgerichtig von der Anfeindung des Judenthums auch zu der Leugnung jeder positiven Religion, sowie zur vollständigen Verkennung der „Bibel-Moral" gelangen, und so weit der Antisemitismus einen wissenschaftlichen Anstrich besitzt, ist er auch nothgedrungen bis zu dieser äußersten Grenze gelangt und hat dadurch Gefahren enthüllt, welche unendlich weit über die Juden hinausreichen. Was G. F. Daum er in den „Geheimnissen des christlichen Alterthums", Paul de Lagarde in seinen „Deutschen Schriften", Wihelm Marr in den „Religiösen Streifzügen eines philosophischen Touristen" zu äußern gewagt haben, entzieht sich hier der Wiedergabe — nicht nur mit Rücksicht auf den § 166 des Strafgesetzbuches, sondern auch aus Pietäts-Rücksichten, welche der gläubige Jude jederReligion gegenüber üben muß. R a d e n h a u s e n, Eugen Dühring und Theodor Fritsch haben nicht nur das Alte Testament, sondern auch das Christenthum in einer Weise beurtheilt, die keinem gleichgiltig sein kann, der dem Volke die Religion erhalten wissen will! Im Märzheft des „Modernen Völkergeist" schrieb derDühringianer G. Himmelerb: „GeistigeJuden sind alle, welche die Bibel als heilige Schrift betrachten, in der ein Herr sich der Menschheit offenbarte ... Die Bibel ist ein unserer Stammesanlage gänzlich fremdes Buch, und man sollte sich schämen, dieses Erzcugniß des Judengeistes als etwas Hohes hinzustellen und den Kindern die jüdischen Spitzbuben als Ideale vorzuhalten . . . Das Christenthum hat die Verjudung unseres Volkes erst gehörig möglich gemacht und hindert die Entjudung." S o äußern sich die „modernen Heiden", wenn sie ihre ehrliche Meinung unverhüllt kundgeben und auf die Gönnerschaft derer verzichten, welche die Klinke der Gesetzgebung in der Hand haben.

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