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Im deutschen Reich · 1897-06-01 · Heft 6 (Juni 1897) · p. 302

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 6 (Juni 1897)
Article
Das Heidenthum der Neuzeit
Date
1897-06-01
Page
302 (sequence 8)
Language
German
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302 Im deutschen Reich. und der Offenbarung bleiben." Vergeblich ist deshalb das Bemühen, den Zusamenhang zwischen dem Alten und dem Neuen' Testament zu zerstören und die unumstößliche historische Thatsache, daß die ersten Christen durchweg Semiten waren, zu bestreiten! Ganz abgesehen davon, daß durch den Antisemitismus dem Christenthum die geschichtliche Grundlage genommen wird, kann jede einseitige Verkennung der biblischen Ideenwelt nur dazu beitragen, die vollständigste Irreligiosität zu verbreiten. Sind denn aber die arischen Gottesbegriffe so erhaben, um solche Versuche zu rechfertigen? Die Pietät christlicher Priester rettete auf dem fernen Island mit der alten „Edda" den reinsten Ausdruck des urgermanischen Heidenthums, deffen tiefe Poesie ebensowenig verkannt werden soll wie die Schönheit der hellenischen Kultur. Wie die Götter und Heroen der Griechen sind aber auch die germanischen Äsen allen menschlichen Leidenschaften unterworfen, so weit sie sich nicht als Sinnbilder der mächtigsten Naturerscheinungen in elementarer Kraft und Fühllosigkeit darstellen. Von einer mitfühlen den allmächtigen Vorsehung, die gütig, gnädig, langmüthig und barmherzig ist und gern Fehler verzeiht und Strafen erläßt, findet sich dabei keine Spur. Während die Gefühlswelt der Bibel eine völlig andere ist, ahs diejenige, welche sich v,i der altgermanischen Edda uns aufthnt, zeigen doch viele arische Sagen Anklänge an biblische Traditionen. Johannes Schere i-.-gt in feiner Einleitung zu den Nibelungen: „Auch in der germanischen Religion findet sich die Vorstellung von urweltlich paradiesischen Zuständen. Beide Edden (besonders VoluSpa 7—8) wissen von einem goldenen Alter der Unschuld. Die Äsen unterliegen einer Art Sündenfall, und zwar ist derselbe höchst merkwürdiger Weise in die Gier des Goldes, also des Besitzes gelegt."*) Das böse Prinzip ist also hier nicht wollüstige Begierde, sondern die Habgier, welche die Judenfeinde so häufig als „undeutsch" bezeichnen! Die Midgard-Schlange der Germanen erinnert an die ägyptische Thermutis, die Paradiesschlange und die kupferne Schlange der Bibel; die Äsen tragen Züge, welche aus eine Verwandtschaft mit den griechischen Titanen und Giganten, sowie mit den biblischen Enakssöhnen deuten. Der urgermanische Baum Dgdrasyll und die der Göttin Jdun geraubten, ewige ') Scherrs Gesch. b. Religion II 327 ff.

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