Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1897)
- Article
- Das Heidenthum der Neuzeit
- Date
- 1897-06-01
- Page
- 301 (sequence 7)
- Language
- German
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Das Heiden thurn der Neuzeit. 301 age des Judenthums und wie aus den erwähnten Citaten herooreht, auch des ursprünglichen Christenthums. Gegen diesen Zurmmenhang sprechen nur scheinbar die mehr äußerlichen Beziehunen, welche zwischen dem Christenthum und dem Brahma-Glauben ezw. dem Buddhismus zu bestehen scheinen. Daß in der pekulativen Religion der alten Inder der zum achten Male vervandelte Gott Mschnu als Sohn einer Jungfrau unter dem Kamen Krischna auf Erden wandelte, daß den Buddhisten als eine tcunte Verwandlung Wischnus die Geburt Buddhas des Sohnes Der jungfräulichen Maya gelehrt wurde, kann allerdings nicht übersehen werden.*) Auch die christliche Askese ist nicht den jüdischen sondern den indischen Anschauungen verwandt, und diese sowie ähnliche andere Erscheinungen haben wohl auch Schopenhauer zu der Aeußerung veranlaßt: „Denn das Christenthum, was man auch sagen möge, hat indisches Blut im Leibe und daher einen beständigen Hang, vom Judenthum loszukommen."**) Daran ist wohl so viel wahr, daß es gerade einzelne von Schopenhauer als „indisch" bezeichncte, im Christenthum enthaltenen Anschauungen sind, welche daffelbe dem Semitenthum entfremden, während der in zahlreichen Stellen des Neuen Testaments erkennbare Kern des Urchristenthunis nicht an die altindischen Urkunden, sondern nur an die alttestamentlichen ethischen Begriffe erinnert. In diesem Sinne haben sich zu allen Zeiten, besonders aber in neuester Zeit zahlreiche katholische Kirchenfürsten ausgesprochen. Kardinal Schwarzenberg erklärte kurz vor seinem Hinscheiden: „Durch den Kamps gegen das Alte Testament werden die Fundamente unserer heiligen Religion und unserer heiligen Kirche selbst unterwühlt." Kardinal Schlauch bemerkte bei dem Empfang einer ihm zu seinem Priesterjubiläum in Großwardein beglückwünschenden jüdischen Deputation: „Gott hat zwei Bücher geschrieben, die Bibel und die Natur. Die Harmonie dieser beiden Bücher dem Menschen verständlich zu machen, mar das Leitmotiv meines Strebens. Christenthum und Judenthum stehen auf derselben Grundlage; das Judenthum wird nie zu Grunde gehen, sondern der ewige Zeuge des Christenthums *) Otto Henne am Rhyn „Volkssage" 2. Ausl., S. 611 u. ff. **) Arthur Schopenhauer, S. Werke 1877; I, 128.