Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1897)
- Article
- Das Heidenthum der Neuzeit
- Date
- 1897-06-01
- Page
- 300 (sequence 6)
- Language
- German
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300 3m deutschen Reich. dann der auch von den Rabbinen des späteren Mittelalters überaus hochgeschätzte Aristoteles dazu, in seiner Metaphysik die Gottheit als reine und körperliche Ursache aller Bewegung darzustellen.*) Gemeingut seines ganzen Volkes ist diese Weisheit aber niemals geworden, wie die semitische Verkündigung, die im Siegesliede des Mose, in den Zehn Geboten, in den Psalmen, den salomonischen Weisheitssprüchen und den Propheten sich kundgab und auch in den schönsten Stellen des neuen Testaments echt volksthümlich widerklang. Da ist von keinem Gotte die Rede, der den menschlichen Leidenschaften und Gelüsten unterworfen ist oder nur Naturgewalten verkörpert, sondern von dem Urbilde aller Sittlichkeit, dem Einzigen, der den Stoff und das Gesetz schafft und beherrscht, von dessen Herrlichkeit die Erde voll ist und dessen Ruhm die Himmel verkünden.**) Ein solcher Gott kann nicht ein „Hordengott", nicht nur der Schutzgeist eines einzelnen Stammes sein; er ist der Gott seiner Schöpfung, der ganzen Welt; er ist nur insofern ein Judengott, als er zuerst den Juden sich offenbarte. Deshalb ist im Alten Testament der Ueberzeugung Ausdruck gegeben: „Gott wird König sein über die ganze Erde; an jenem Tage wird Gott der einzige sein und sein Name der Einzige! Diesem Glauben muß auch der Stifter der christlichen Religion gehuldigt haben, denn in dem Eo. Marci 12, 29, 30 heißt es wörtlich: „Jesus aber antwortete ihm: „Das vornehmste Gebot von allen Geboten ist das: „Höre Israel, der Herr unser Gott ist ein einiger Gott und du sollst Gott deinen Herrn lieben, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüthe, und von allen deinen Kräften. Das ist das vornehmste Gebot." Im Jacobus-Briefe 2,19 heißt es: „Du glaubst, daß ein einiger Gott ist; du thust wohl daran." Derselbe Satz „Höre Israel", mit welchem der gläubige Israelit lebt und stirbt, ist die Grund- Hellenen zur Ehre, daß man ohne Anerkennung.irgend welcher Abhängigkeit von auswärtigen Faktoren auskonnnen könne, und man weift, was von mir und Andern in dieser Beziehung geltend gemacht worden ist, mit Mißbehagen Zurück, ohne die Thatsachen zu widerlegen." *) Metaph. XII, Phys. I, 9 192 d. **) Jesaia VI 3, Psalm XIX.