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Im deutschen Reich · 1897-06-01 · Heft 6 (Juni 1897) · p. 299

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 6 (Juni 1897)
Article
Das Heidenthum der Neuzeit
Date
1897-06-01
Page
299 (sequence 5)
Language
German
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Das Heidenthum der Neuzeit. 2M etwas BewundernSwerthes verherrlichen; in einer Zeit, in der man Materialismus und Atheismus bewußt oder unbewußt fördert, indem man den einst im Dunkel der Götterhaine vorhanden gewesenen Anschauungen vor dem lichtvollen biblischen Offenbarungsglauben den Vorzug giebt, muffen die Juden frei und offen bekennen, daß sie sich als Wächter des Lichts aus Osten betrachten, das ihnen zuerst aufging, aber nicht ihnen allein leuchtete, sondern vielmehr nach und nach allen Kulturvölkern strahlte und diese für eine reinere Gottesverehrung und eine höhere Sittlichkeit erwärmte. Der Gottesbegriff der arischen Völker reichte nie zur Höhe einer einigen Gottheit, welche zugleich das Guteunddas Löse erschaff t.* **)) Die altindische Mythologie stellte dem Lichtgotte Varuna den Donnergott Indra und den Feuergott A g n i entgegen. Statt dieser Dreieinigkeit (Trimurti) verehrten die Brahmanen später in Brahma, Schiwa und Wischnu die schaffenden, erhaltenden und zerstörenden Kräfte. In der altgermanischen Götterlehre erscheinen die vergöttlichten Naturkräfte als Wodan, Thor und Loki. Selbst das begabteste Volk des Alterthums, das griechische, konnte den Gedanken eines einzigen Gottes als Urbild der Sittlichkeit nicht erzeugen. Wohl preist Homer den Zeus als den Gott der Götter und Vater der Menschen, aber dieser Gott ist nur der Erste unter Gleichen, und ihm haften alle menschlichen Schwächen an. So stellt ihn Hesiod im Lehrgedicht, Archilochus in lyrischer Form hin, und selbst Sokrates gelangt trotz seelischer Reinheit und Weisheit, zu keiner wesentlich höheren Gottesidee. Plato hat allerdings den Griechen den einzigen Gott als Ursache alles Guten und Schönen verkündet, aber seine Weisheit ist vielleicht nur eine Folge seines dreijährigen Aufenthalts in Egypten (393—390 v. Ehr.) da ihn Augustinus deshalb zu einem Schüler des Propheten Jeremias niachen zu müssen glaubte. Daß semitische Einflüffe zu verschiedenen Zeiten in die hellenische Kultur eingedrungen sind, hat Ernst Curtius überzeugend nachgewiesen.") Auf dem Wege der Spekulation gelangte *) Jesaias 40. **) Ernst Curtius sagt im Vorwort zu den „Gesammelten Abhandlungen": „Semitisch ist die älteste Kultur am Mittelmeer, und doch sträubt man sich noch immer, in Religion und Kultur anregende Einflüsse derselben anzuerkennen. Man begegnet noch immer der Vorstellung, es gereiche den

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