Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1897)
- Article
- Das Heidenthum der Neuzeit
- Date
- 1897-06-01
- Page
- 298 (sequence 4)
- Language
- German
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298 Im deutschen Reich. heit in die Hände gespielt worden sei, und der Ausdruck „t e u fl i s ch e Gesetze" sei ebenfalls keine Beschimpfung der christlichen Kirche und ihrer Einrichtungen, sondern nur Kritik einzelner Stellen." Dieser gerichtsnotorischen Schätzung der Bibel ist von christlicher Seite nicht widersprochen worden, und von jüdischer Seite war in dieser Sache vorher geschehen, was geschehen mußte, um einer Gewissenspflicht zu genügen! In jedem Juden, möge er der strenggläubigsten oder der freisinnigsten Richtung huldigen, steht aber nach wie vor die Ueberzeugung fest, daß die Lehre von der G o t t h e i t als geistiges, sittliches, einziges Wesen das unbestreitbare Eigenthum der israelitischenUrkunden ist, daß durch diesen Glauben die Gesetze der Sittlichkeitfest begründet worden sind und daß man dem Volke nicht die Religion erhalten kann, wenn man das Alte Testament schnöder Lä st erung preisgiebt. DieseUeberzeugung zu vertheidigen, muß für jeden Juden Herzenssache sein. Die Rabbinen haben nicht umsonst die Weisung ertheilt"), sich das Wissen anzueignen, welches befähigt, dem philosophischen Zweifler zu antworten. Dieses Streben ist in der Jetztzeit um so nöthiger, als der bei allen Gesitteten Abscheu erregende „Radau-Antisemitismus der Gaffe" nahezu überwunden ist. aber schlimmer als je die durch beredte Jrrlehrer den akademischen Kreisen eingeimpften Borurtheile uns verletzen und durch den Einfluß dieser Kreise aus Gesetzgebung und Verwaltung es verhindern, daß die zum Theil nur auf dem Papier stehende Gleichberechtigung der Bekenner der verschiedenen Religionen zur vollen Wahrheit wird! An die Stelle der altersgrauen morschen Ghettomauern des mittelalterlichen Glaubenshasses sind die nicht minder harten Scheidewände des „n ationalenChauvinismus" getreten, der alle Kulturerrungenschaften auf arischen Ursprung zurückzuführen sucht, und selbst vor Bekämpfung des Christenthums nicht zurückscheut, so weit dasselbe die biblischen Heilswahrheiten lehrt und mit dem alten Testament im Einklang steht. In einer Zeit, in welcher Männer der Wissenschaft die altgermanische Mythologie mit ihren seltsamen innigen Beziehungen zur Meteorologie als ') Pirte Aboth H 19.