Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1897)
- Article
- Berlin
- Date
- 1897-05-01
- Page
- 269 (sequence 3)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 209 General-Anzeigers enthaltene köstliche Selbstironie machte zuerst daL Stöckersche Organ „Volk" mit folgenden Sätzen aufmerksam: „Das Blatt führt den Titel „Central-Organ der Allgemeinen Antisemiten-Vereimgung", deren Leiter bezw. Begründer Reichstagsabgeordneter Ahlwardt ist. In erwähnter Beilage „Deutsches Familienblatt" ist in der Erzählung: „Die Moral-Inspektion" zu lesen: „Vielleicht hielt er (d. h. der Onkel eines Studenten) dafür, daß ein gelegentliches Loch im Prinzip nicht so fatal wäre, wie ein Loch in der Hose, wobei ich aber nicht im entferntesten die Absicht habe, den guten Onkel Bollmann als ein Pendant zum H. Ahlwardt hinzustellen. Hinzufügen muß ich hier wieder, daß das H. vor dem Namen nicht etwa die Stelle des „heilig" vertritt, obwohl ja der Gedanke nahe liegt, ihn zu den w u n d e r l i ch e n Heiligen zu zählen." Bald darauf veröffentlichte das Sedlatzekffche Blatt ein Schreiben der Redaktion des „D. F.", in dem gesagt wurde: „Der Verfasser der Humoreske, Herr Wundtke, dem wir derartiges absolut nicht hätten zumuthen können, ist durchaus nicht Semit und begreifen wir nicht, wie derselbe zu solchen Auslassungen gekommen ist. Die Arbeiten desselben sind stets absolut tendenzlos und bei den Lesern so allgemein beliebt, daß wir ohne Bedenken die Manuskripte der Druckerei übergeben haben, ohne sie zu prüfen. Damit trifft uns allerdings ein Verschulden, das uns selbst außerordentlich unangenehm ist." Ueber den „Antisemitismus in der Schule" veröffentlichte die „Volks-Ztg." nachstehende Mittheilung: „Als vor den Osterferien der Versetzungstermin herannahte, fiel den Schülerinnen der Klasse VO die Trennung von ihrem Ordinarius besonders schwer und so kam eine derselben -auf den Gedanken, dem geliebten Lehrer ein Andenken zu stiften. Das ist schon öfters dagewesen; neu war nur daran, daß die elfjährige Anstifterin, sei es selbstständig, sei es durch häusliche Einflüsse veranlaßt, der Gabe einen konfessionellen Anstrich dadurch zu geben versuchte, daß die zahlreichen jüdischen Mitschülerinnen nicht zur Beisteuer aufgefordert wurden. Um der Sache ein Mäntelchen umzuhängen, wurde als Geschenk eine Bibel gewählt. Die Angelegenheit kam bald zur Kenntniß der Eltern der Ausgeschlossenen und der Vater eines der jüdischen Mädchen wollte der Sache auf den Grund gehen und untersuchen, ob wirklich nur die „Schonung des religiösen Gefühls", wie angegeben, die Ursache der Absonderung genasen sei. Er beauftragte daher seine Tochter, einen Beitrag zur Sammlung mit dem ausdrücklichen Bemerken anzubieten: für den Ankauf der Bibel. Der Beitrag wurde zurückgewiesen. Jetzt wurde dem