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Im deutschen Reich · 1897-05-01 · Heft 5 (Mai 1897) · p. 266

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 5 (Mai 1897)
Article
Umschau
Date
1897-05-01
Page
266 (sequence 10)
Language
German
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266 3m deutschen Reich. Blättchen „Posttzp" den Rassenhaß den Polen einimpfen sehen, oder wenn die Jungczechen die deutsch sprechenden und fast ausnahmslos deutsch-gesinnten Juden in Böhmen und Mähren befehden — opfert der Jude überall Gut und Blut für das Vaterland, welches er, wenn es sein muß, auch gegen den GlaubenSgenosien,pflichtgetreu vertheidigt. So standen in dem jetzigen griechisch-türkischen Kriege auf beiden Seiten der Kämpfenden Juden wacker zu ihren andersgläubigen Mitbürgern. Obgleich es in Athen nur etwa 350 Israeliten giebt, zählte die dortige griechische Nationalliga, die Ethnike Hatairia, mehrere jüdische Mitglieder, darunter den Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Athen, Carl Rothschild. In derselben patriotischen Weise bewährten sich die jüdischen Unterthanen des Sultans. Bei dem Ausbruche des Krieges wurde der „Frankfurter Zeitung" berichtet: „Die Türken ziehen weder ihre christlichen, noch jüdischen Unterthanen zum Militärdienst heran, und zwar wird dies in erster Linie aus Rücksicht auf ihre Religion unterlassen. Saloniki zählt unter seinen Einwohnern ungefähr 70 000 spaniolische Juden, treue Unterthanen, die der türkischen Regierung bisher nie Sorgen gemacht haben. Nun haben zahlreich junge Leute unter ihnen ihre Dienste dem Staate angeboten, und um die Erlaubniß gebeten, ein israelitisches Freikorps bilden zu dürfen. Eine Entscheidung ist in dieser Angelegenheit noch nicht erfolgt, indessen hat dieses Ansuchen der Spaniolen bei den Türken einen guten Eindruck hervorgebracht." Dem Correspondenten der N. Fr. Presse in Konstantinopel soll der deutsche Officier Grumbkow Pascha vor dem Einzug in Larissa folgende Episode mitgetheilt haben: „Ich zog über die steinerne Brücke ein, da kommt mir ein alter Jude entgegen und ruft: „Acht geben, Pascha, die Brücke ist unterminirt!^ Ich reite trotzdem über die Brücke und komme glücklich hinüber. Ein Pionier findet drei Dpnamitkasten und wirft sie ins Wasser. Gleichzeitig ertönt ein Schuß. Der Jude, der mich gewarnt hatte, bricht zusammen, von der Kugel eines griechischen Banditen hingeitreckt. Ich lasse den Letzteren packen, befehle: „An. die Wand mit ihm, Achtung, Feuer!" Aber meine Leute erklären, zur Tödtung von Gefangenen gehöre ein kaiserlicher Jrade. Ich erkannte das Gebot an und der Mörder blieb leben." —- Der Chef der 6. türkischen Division, Achmed H a m d i Pascha, der sich in den Kämpfen in Thessalien besonders ausgezeichnet hat, ist jüdischer Herkunft und hieß früher Moritz Freund. Wie ein polnisches Blatt mittheilt, ist der General aus dem Petrokow'schen Gouvernement gebürtig, von wo er als 15 jähriger Knabe in die Türkei auswanderte. Sein Schwager ist der Pächter des „Berliner Hotels" in Warschau, Sorkin.

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