Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1897)
- Article
- Umschau
- Date
- 1897-05-01
- Page
- 265 (sequence 9)
- Language
- German
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Umscha». 265 Majestät aller unterthänigst für die allergnädigst- Auszeichnung, in welcher meine Glaubensgenossen in dieser für sie so schweren Zeit ein Zeichen der Unwandelbarkeit der Huld Eurer Majestät erblicken." Worauf der Monarch antwortete: „Nun es freut mich, wenn Sie es so aufgefaßt haben, es gilt übrigens auch Ihrer Person." Die schwankende Haltung des Kabinets Badeni hat aber das Unkraut des Rassen- und Klastenhastes so üppig emporsprießen lasten, daß trotz der wohlwollenden Gesinnung des österreichischen Monarchen dort wo Noth und Unwissenheit die schlimme Saat förderten, z. B. in Ostgalizien, Mistethaten bereits an der Tagesordnung sind. In Chodorow ist zum Schutze der schwer bedrohten Juden das Einschreiten der Truppen nothwendig geworden. Nur das Eingreifen der Polizei setzte in Przernysl den bereits begonnenen Ausschreitungen der Stellungspflichtigen gegen die jüdische Bevölkerung ein Ziel. Ernster waren noch dir in Bolechow angeblich durch das Verhalten dortiger Juden gegen eine getaufte Jüdin hervorgerufenen Unruhen, welche selbst zu Blutvergießen geführt hätten, wenn nicht die Gendarmerie energischer als die Ortspolizei vorgegangen wäre. Die dem Gemeinderath" angehörenden 14 Juden sollen deshalb nachträglich die Suspendirung des Stadtsergeanten durchgesetzt haben. Wenn es lange Zeit hindurch geduldet wird, daß fanatische Hetzredner den zu Excessen geneigten Theil einer Bevölkerung in gehässigster Weise gegen eine fast wehrlose Minderheit aufwiegeln, kann der erfreulichste Stimmungswechsel in den oberen Kreisen kaum noch Unheil verhüten. Dies zeigt sich auch in Rußland, wo einzelne neuere Maßnahmen der Regierung von einem recht humanen Geiste durchdrungen erscheinen. Trotzdem haben in Kantakusow im Gouvernement Cherson erst neuerdings wieder Ausschreitungen gegen Juden stattgefunden. Die von dem Gouverneur zur Verhinderung der Excesse entsandten Truppen trafen erst in Kantakusow ein, als bereits drei jüdische Einwohner erschlagen, zahlreiche Kaufläden geplündert und viele Häuser verwüstet waren. Trotzdem erweisen sich die Bekenner des jüdischen Glaubens überall als treue Bürger des Staates, dem sie durch ihre Geburt angehören, und ihre Vaterlandsliebe wird selbst dadurch nicht beeinträchtigt, wenn sie in diesem Staate nur einen ungenügenden Schutz gegen Vorurtheile und Unduldsamkeit.finden. Während die Judengegner aller Länder sich zu verbrüdern suchen und die deutschen „Reformer" das nationale Mäntelchen sofort abstreisen, wenn sie den französischen Hetzblättern des Convertiten Drumont antisemitische Floskeln entlehnen können, wenn sie durch das Posener