Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1897)
- Article
- Umschau
- Date
- 1897-05-01
- Page
- 264 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316624-2316630-2320446--02511-2320557- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
264 3m deutschen Reich. antisemitischen Bundesgenossen mit milden Abmahnungen wie ein weiches Ei behandeln, die konservativen Sachsen, welche bekanntlich „Helle" sind, solche Schonung längst nicht mehr kennen und rücksichtslos „un chat un chat" nennen. So schrieben die konservativen „Dresdener Nachrichten": „Herr Reichstagsabgeordneter Oswald Zimmermann scheint nunmehr selbst eingesehen zu haben, daß blos mit dem Programm der Deutschsozialen Reformpartei und deren Interessen keine Geschäfte mehr zu machen sind. Er hat sich daher auf ein anderes Gebiet begeben, um sich auch hier zu — blamiren. Der Vertreter von Dresden-Altstadt befaßt sich jetzt mit den inneren Angelegenheiten des österreichischen Kaiserstaates, und dem Zuge seines Herzens folgend schließt er sich hierbei derjenigen österreichischen Partei an, die unter dem Aushängeschild, national-deutsche Interessen zu vertreten, mit möglichst viel Radau und in wüster demagogischer Weise radikale Demonstrationspolitik mit stark hochverrätherischem Anstriche treibt, eine Politik, die von der antisemitischen Partei Dr. Lueger's als sinnlose Obstruktion auf das Entschiedenste bekämpft wird". Treibt das österreichische Kabinet Badeni mit der Sprachverordnung thatsächlich eine dem deutschen Stamme feindliche Politik, so sind es gerade die österreichischen Gesinnungsgenossen der deutschen Antisemiten, deren rücksichtslose Agitation dasselbe gezwungen hat, bei den Slaven eine Stütze zu suchen. Es war eine bemerkenswerthe Ironie, daß die antisemitische Dresdener „Deutsche Wacht", die beständig die Unterdrückung der jüdischen Minderheit anstrebenden österreichischen „Schönerianer" mit Schillers wahrhaft humanen Worten begrüßt hat: „Giebt's schönere Pflichten für ein edles Herz als Unterdrückte zu beschirmen?", „gleichzeitig aber auch für eine „Germania irredenta in Oesterreich" Stimmung zu machen suchte. Dieses „Zornwort", welches der Abg. Wolf dem Minister Badeni nach dem Erlaß seiner Sprachverwandlungs- Ordre zurief, ist der Dank der Antisemiten „an das Haus Oesterreich" für die langersehnte Bestätigung des Wiener Bürgermeisters Lueger. Nach einer Mittheilung der „Köln. Ztg." soll übrigens Kaiser Wilhelm, als Lueger ihn auf dem Bahnhofe in Wien mit einer Ansprache begrüßte, nur kurz salutirtund: „Ich danke" geantwortet haben. Der Verleihung des Franz-Joseph-Ordens an den Wiener Oberrabbiner Dr. Güdemann muß gerade bei den jetzigen Verhältnissen eine höhere Bedeutung beigelegt werden. Wie die „N. Fr. Pr." mittheilt, sagte Tr. Güdemann in der ihm ertheilten Audienz: „Ich danke Euer