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Im deutschen Reich · 1897-05-01 · Heft 5 (Mai 1897) · p. 261

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 5 (Mai 1897)
Article
Umschau
Date
1897-05-01
Page
261 (sequence 5)
Language
German
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Umschau. 261 liegt im obigen Wortgefüge ein zwar versteckter, aber wohlerwogener und deutlicher Angriff auf den K.-V. vor, wodurch die Reihe der verleumderischen und heimtückischen Angriffe, wie sie je und je von Philosemiten verschiedenster Sorte gegen uns gemacht worden sind, um eine Nummer vermehrt werden wird. Dagegen sind wir nun sehr kalt geworden. Da aber dieser Angriff in einem angesehenen Blatte erscheint und aus Anlaß der Jubelfeier der Straßburger Universität, so muß Herr Adolf Michaelis für feine unglaubliche Aeußerung nicht nur öffentlich gezüchtigt und berichtigt werden, sondern der K.-V., insbesondere der V. D. St. Sttaßburg hat ihn zur Zurücknahme und^ zum Bedauern seiner beleidigenden Aussage zu veranlaffen, widrigenfalls man ihm öffentlich einen gewiffen Titel wird beilegen müssen, obgleich an der Straßburger Universität, wie Herr A. M. schreibt, fast keine anderen Titel als der des Professors üblich sind." Derartige Beleidigungen wären unmöglich, wenn nicht Jahre hindurch in den Hörsälen der Universitäten die Saat des Judenhasses ungehindert ausgesäet worden wäre, wenn nicht noch vor wenigen Wochen die „Kreuzzeitung" Anlaß zu der triumphirenden Bemerkung gefunden hätte: „Daß von einer konfessionellen Engherzigkeit der Fakultäten gegen jüdische Gelehrte gesprochen wird, ist recht bemerkenswerth; denn man sieht, wie weit der „praktische Antisemitismus" bereits vorgedrungen ist!" Nicht nur in den akademischen Kreisen, auch in den Schulen hat der Antisemitismus in bedauerlicher Weise Wurzel geschlagen und verbitternd gewirkt. Ueber eine am 1. Mai vor dem Schöffengericht zu Neustadt-Eberswalde stattgehabte Verhandlung berichtete ein Berliner Blatt: „Jur November v. I. bemerkte der Kaufmann Wolf Hendel, daß.sein kleiner Sohn Georg, der die unterste Vorschulklasse am Eberswalder Gymnasium besuchte, auffallend mißmuthig sei. Nach dem Grunde gefragt, erzählte Georg, daß er wegen seines mosaischen Glaubens von anderen Schülern gehänselt und mit antisemitischen Spottreden verfolgt werde. Besonders hervorgethan bei diesen Verhöhnungen hat sich der 14jährige Sekundaner Fritz Gerhardt. Hendel begab sich nicht zum Direktor des Gymnasiums, der ohne Zweifel Abhülfe geschaffen hätte, sondern glaubte die Sache bester zu erledigen und dem Schüler eine Rüge von Seiten der Schule zu ersparen, wenn er selber mit ihm verhandelte. Er suchte ihn deshalb in seiner Pension auf und stellte ihn zur Rede. Fritz Gerhardt stritt aber Alles ab und rief schließlich: „Das ist Alles nicht wahr. Sie lügen!" Darauf versetzte ihm Hendel ein paar derbe Ohrfeigen. Der Vater des Geschlagenen,

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