Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1897)
- Article
- Umschau
- Date
- 1897-05-01
- Page
- 260 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316624-2316630-2320446--02507-2320553- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
260 Im deutschen Reich. zahlt, daß sie solche Gaben mit herzlichstem Danke angenommen haben, und man kann es wahrlich ohne Bedenken gutheißen, wenn ein jüdischer Fabrikherr seinen christlichen Arbeitern eine Kirche bauen hilft; unter Umständen, z. B. als Großgrundbesitzer, ist er ja sogar dazu verpflichtet. Ein treuer Förderer unserer kirchlichen Angelegenheiten seit vielen Jahren ist im Magistrat ein bescheidener, frommer, jüdischer Stadtrath. Vor kurzem spendete ein Jude eine sehr große Gabe, welche zum Besten für Kranken-, Waisenhäuser aller Konfessionen, für die Armenkrankenpflege, für arme Wöchnerinnen verwendet wurde und viele Sorge und Elend lindern wird. Solche Dinge sind der Ausdruck des Dankes und der Anerkennung der persönlichen Arbeit unserer Vereine, und es ist meine Pflicht, sie dankend zu erwähnen. . . Wären derartige Aeußerungen von solcher Seite schon vor Jahren erfolgt, dann würde sich der Uebermuth der antisemitischen Presst nicht bis zu der jetzigen Höhe gesteigert haben. Jetzt begleitet sogar die agrarisch - antisemitische „Deutsche Tageszeitung" diese Aeußerungen mit wenig respektvollen Glossen. Aehnlich ergeht es auch Anderen, die sich noch in zwölfter Stunde öffentlich zu vorurtheilsfreien Gesinnungen bekennen. Anläßlich der Jubelfeier der.Straßburger Universität erschien kürzlich in der wissenschaftlichen Beilage der „Allgemeinen Zeitung" ein Artikel des Professors Adolf Michaelis, in welchem der Letztere sagte: „Endlich hat sich die Universität Straßburg frei gehalten von dem hie und da sich geltend machenden Antisemitismus. Eine beträchtliche Anzahl ihrer Lehrer sind Israel/ten; sie betreiben und lehren ihre Wissenschaft mit gleichem Eifer, gleicher Tüchtigkeit, gleichem Erfolge wie ihre christlichen Kollegen und stehen in demselben Ansehen, genießen die gleichen Ehren wie diese. Auch unter den Studenten hat der Antisemitismus trotz wiederholter Bemühungen keine festere Wurzel geschlagen; wenigstens zeigt sich nichts von den auswärts vorkommendeu Auswüchsen und von der, wie eö scheint, vom Antisemitismus unzertrennlichen Verrohung der Sitten, des Benehmens, der Ausdrucksweise!" Darauf erwiderte der Vorsitzende des A.-H.-Bundes Heidelberg und Mitbegründer des Vereins deutscher Studenten Straßburg, Pfarrer Th. Friedr. Mayer in Buchenberg, in den „Akademischen Blättern" in schroffster Weise wie folgt: „Da innerhalb der Studentenschaft der K.-V. es ist, der grundsätzlich dem Antisemitismus als eine Folgerung seines nationalen Standpunktes huldigt, was dem Herrn Adolf Michaelis wohl bekannt sein wird, so