Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1897)
- Article
- Gabriel Riesser
- Date
- 1897-05-01
- Page
- 251 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Gabriel Rieffrr. 251 und treulosen Töchter waren, die das alte Deutschland in solches Elend und solchen Jammer versetzt haben, aber das sage ich Ihnen, wenn Sie nicht in den zerrissenen Gliedern und in dem dürftigen Gewände die Majestät des Vaterlandes ehren, so werden Sie es niemals in seiner Glorie sich wieder erheben sehen.- Als jener große Seefahrer mit dem Gedanken einer neuen Welt im edlen Geiste über das Weltmeer hinfuhr, da wurde sein Schiff zuerst vom Sturme gepeitscht und drohte ihm den Untergang. Aber die schlimmste Gefahr lag nicht in dem Sturme; sie lag in der langen, trüben Windstille, die auf den Sturm gefolgt war und die ihn im Fortschritt zu seinem Ziele hemmte. Da geschah es, daß sein hungriges, kleingläubiges Schiffsvolk ihn in's Meer werfen und den Gedanken einer .neuen Welt mit ihm in den Wellen begraben wollte. Achten wir darauf, daß uns nicht Aehnliches geschehe. Das Schiff, das vor zwei Jahren die Hoffnungen Deutschlands trug, wurde vom Sturme der aufgeregten Leidenschaften gepeitscht und konnte den sichern Hafen nicht erreichen; die besseren seiner Führer sahen sich zuletzt in der traurigen Nothwendigkeit, durch ihren Austritt aus der National - Versammlung die Segel zu kappen, damit nicht das Schiff des Vaterlandes auf gefährlichen Klippen scheitere. Aber jetzt, meine Herren, ist auf den Sturm'eine dumpftrübe Gleichgültigkeit gefolgt, die Segel schlottern in dürftigem Luftzug, und so lange sie nicht von einem frischeren Wehen der öffentlichen Sympathie geschwellt werden, werden wir den Gedanken des Bundesstaates in weiterer Ausdehnung nicht verwirklichen können. Er wird den Gleichgültigen und Engherzigen unterliegen, die ihn nicht kennen oder nicht wollen, und von denen manche ihn gar gern über Bord werfen möchten. Darum, meine Herren, setzen Sie sich mit den regeren, mit den edleren und besseren, aber vorwärtsstrebenden Elementen der öffentlichen Meinung nicht in Zwiespalt." Diese Blumenlese aus RiesserS tiefnachhaltigen, geistvollen Parlamentsreden wird auch heute nach fünf Jahrzehnten ihren Eindruck auf deutsche Herzen und deutsche Geister nicht verfehlen; sie wird beweisen, welch ein echt deutscher Mann Riesser war, wie er mit allen Fasern seines Denkens und Fühlens begeistert war für Deutschlands Ehre, Freiheit, Macht und Größe, wie gründlich und klar, wie gedankenreich und folgerichtig er mit weitem