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Im deutschen Reich · 1897-05-01 · Heft 5 (Mai 1897) · p. 250

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 5 (Mai 1897)
Article
Gabriel Riesser
Date
1897-05-01
Page
250 (sequence 3)
Language
German
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260 Im deutschen Reich. die freien Institutionen, welche die einstimmige öffentliche Meinung Deutschlands entschieden verlangtezu rechter Zeit im Frieden gewährt hätte, wenn man diese im Frühjahr 1648 als schirmende Wälle dem revolutionären Einfluß von außen hätte entgegenhalten können, daß dann Deutschland in den Grenzen der wahren Freiheit und des Gesetzes unerschütterlich festgestanden hätte, wie Belgien und England." Nieffer sprach im Erfurter Parlament gegen Beschränkung der Geschworenen auf die Thatsrage, er rühmte die Ehrwürdigkeit freier Institutionen Englands und schloß: „Wundern Sie sich nicht, wenn die Institutionen der Freiheit bei uns niemals alt und niemals ehrwürdig werden, wenn man jederzeit so sehr bemüht ist, sie in der Wiege zu ersticken" (18. April 1850)?) Zum dritten Male hielt Nieffer im Erfurter Parlament (25. April 1850) eine tiefbedeutungsvolle Rede gegen den Antrag seiner Freunde Baffermann u. Gen. auf Gleichmäßigkeit der Wahlgesetze in den Einzelstaaten mit denen des Bundesstaates?) Es heißt in dieser Rede: „Wenn aus diesen Hallen nicht ein stolzer, voller, vaterländischer Ton, der wie ein heller Klang aus der großen lang entbehrten Heimath jedes deutsche Herz ergreift, über Deutschland hinschallen darf, dann, meine Herren, schließen Sie die Pforte dieses Tempels, dann werden Sie das Herz Deutschlands niemals unserm Werke zuwenden können. Wenn Sie die Blicke Deutschlands auf die großen und die kleinen Heere, die sich in unserem Lager sammeln, lenken wollen, und nicht auf die Fahne Deutschlands, die auf seiner höchsten Zinne weht, neben der Fahne des Rechts und der Freiheit, dann werden sich die Blicke Deutschlands von uns abwenden, und wir werden unter der Last seiner dumpfen Gleichgültigkeit unser Werk erliegen sehen. Ich möchte das einst verloren gegangene deutsche Reich, welches wir wieder aufzubauen bestrebt sind, mit jenem König der Tragödie des großen Dichters vergleichen, der seinen Töchtern Alles hingegeben hat, und nun, verrathen und verstoßen von den Treulosen und Undankbaren, den Stürmen und jedem Ungemach der Witterung ausgesetzt, aber doch jeder Zoll ein König, obdachlos und verlaffen umherirrt. Meine Herren! Ich will nicht fragen, wer die undankbaren *) Riesser a. a. O. S. 631. -) Riesser a. a. O. S. 643.

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