Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 4 (April 1897)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1897-04-01
- Page
- 231 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316624-2316629-2320297--02437-2320403- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
vereinsriachrichten. 231 auf die Schriften von G. F. Taumer, Paul de Lagarde, Wilhelm Marr, Radenhausen, Eugen Dühring, Theodor Fritsch und auf eine neuere Aeußerung Himmelerb's im „Modernen Völkergeist", um zu beweisen, wie mit dem Judenthum gleichzeitig auch das Christenthum befehdet wird. Der Aeußerung Dührings „Ein Christ kann kein ernsthafter Antisemit sein!" stellte der Vortragende die Aeußerung des Rabbiners Dr. Güdemann-Wien entgegen: „Der Antisemitismus wird aufhören, wenn jeder Christ ein guter Christ und jeder Jude ein guter Jude wird." Der Vortrag gipfelte in der Mahnung: „Die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens müssen selbst in Zeiten widriger Strömungen daran festhalten, in politischer Beziehung deutsch bis auf dieKnochen,in religiöser treue Anhänger des von den Vätern überkomrnenen Glaubens an den einigen Gott zu bleiben, welcher den Juden nicht als „National-" oder „Hordengott" sondern als der Vater aller Menschen, der Schöpfer des Himmels und der Erde gelte!" — Diesem beifällig aufgenommenen Vorträge folgten nach einer kurzen Pause geschäftliche Mittheilungen des Vorsitzenden über die Erfolge der am 9. Februar d. Js. in Posen stattgehabten Vereinsversammlung, über das weitere Wachsthum des Vereins, der in den letzten Wochen auch in Berlin zahlreiche neue Mitglieder (darunter Professor Dr. H. Steinthal und andere hochangesehene Männer) gewonnen habe. Fernerberichtete Herr Dr. Lövinson über die am 3., 15. und 16. März d. Js. stattgehabten Gruppenversammlungen und über die Thätigkeit der Rechtsschutz- Kommission. Ter Herr Vorsitzende verwies sodann auf die Besprechung des Budapester Possen-Theaters in einem hiesigen Antisemitenblatte, welches die „Karrikirung der Juden durch Juden" mit Jubel begrüße, was hinreichend beweise, welche sicher unbeabsichtigte mißliche Folgen derartige Aufführungen haben. Nach einem kurzen Hinweis auf die ernste Bedeutung des Reichstagsbeschlusses über die konfessionelle Eidesformel berichtete der Vorsitzende, daß der Vereinsvorstand, nachdem er lange den „Abrahamson" zu ermitteln versucht, dessen angebliche Einmischung in Kirchenvorstandswahlen der Rosenthaler Vorstadt so tiefe Entrüstung hervorgerusen habe, von Herrn Pastor Burkhardt selbst auf Anfrage beschieden worden sei, daß der von ihm gerügte Mißgriff sich nicht in der Rosenthaler, sondern in der Hamburger Vorstadt ereignet und von keinem Herrn.„Abrahamson" sondern von einem Herrn W a l d e ck M a n a s s e verschuldet worden sei. Dieser sei aber als ein Führer der freireligiösen Bewegung bekannt, und habe sich, wenn er überhaupt jemals Jude gewesen sei.