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Im deutschen Reich · 1897-04-01 · Heft 4 (April 1897) · p. 230

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 4 (April 1897)
Article
Vereinsnachrichten
Date
1897-04-01
Page
230 (sequence 1)
Language
German
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230 Nereinsnachrichlen. Die allgemeine Versammlung des Central-VereinS deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, welche am Mittwoch, den 7. April d. I., im Saale des „Vereins junger KaufleuLe" Berlin SW., Beuthstraße 21, stattfand, wurde, da der erste Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Dr. Horwitz, erkrankt und der zweite Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt vr. Fuchs, durch eine Gemeindevorstandssitzung behindert war, durch den Vorsitzenden der Rechtsschutz-Kommission, Herrn Rechtsanwalt Dr. M. Lovinson, geleitet. Nach Begrüßung der Anwesenden ertheilte derselbe dem General - Sekretär A l p h o n s e Levy das Wort zu einem Vorträge über „das Heidenthum der Neuzeit". Der Redner wandte sich gegen die Vertreter des sogenannten „wissenschaftlichen Antisemitismus", welche den semitischen Gottesbegriff bekämpfen und damit den Stützpfeiler der monotheistischen Religionen untergraben. Die Bekämpfung dieses neuzeitlichen Heidenthums hätte das gemeinsame Werk aller treuen Bekenner jeder dieser Religionen sein müssen; leider wurde aber diese Verpflichtung in außerjüdischen Kreisen nicht allseitig anerkannt und das Alte Testament vielfach der Lästerung preisgegeben. In jedem Juden, möge er der strenggläubigsten oder der freisinnigsten Richtung huldigen, müsse aber die Ileberzeugung feststehen, daß die Lehre von der Gottheit als geistiges, sittliches und einziges Wesen das Eigenthum der semitischen Urkunden sei, durch welche die Gesetze der Sittlichkeit fest begründet worden seien. Dafür einzustehen, erscheine als eine ernste Pflicht in einer Zeit, in welcher man alle Kulturerrungenschasten auf arischen Ursprung zurückzuführen suche und dabei selbst vor der Bekämpfung des Christenthums nicht zurückscheue, so weit dasselbe semitische Heilswahrheiten lehrt und mit dem Alten Testament im Einklang steht. Der Redner suchte nachzuweisen, daß sich in den arischen Gottesbegriffen keine Spur finde von einer mitfühlenden, allmächtigen Vorsehung, die gütig, gnädig, langmüthig und barmherzig' ist, gern Fehler verzeiht und Strafen erläßt. Die Gottähnlichkeit des Menschen bestehe nach der Bibel in der Kraft, das Gute vom Bösen zu unterscheiden und zwischen beiden frei zu wühlen. Der wissenschaftliche Antisemitismus sei von der Anfeindung des Judenthums zur vollständigen Verkennung der Bibelmoral gelangt und habe dadurch Gefahren enthüllt, die unendlich weit über die Juden hinausreichen. Der Redner verwies

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