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Im deutschen Reich · 1897-04-01 · Heft 4 (April 1897) · p. 213

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 4 (April 1897)
Article
Umschau
Date
1897-04-01
Page
213 (sequence 4)
Language
German
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Umschau. 213 Mehrheit des deutschen Volkes (?) verlangt die Rückkehr zum christlichen Eide, und wenn der jüdische Richter dem im Wege steht, so muß er eben, wie es daS konservative Tivoliprogramm will, aus den richterlichen Behörden ausscheiden. Die Verneinung der antisemitischen Tendenz des Antrages hätte sich der konservative Redner demnach ersparen können. Der Antrag wendet sich gegen den jüdischen Einfluß und mußte demnach auch eine „antisemitische Tendenz" haben." So spricht die „Staatsbürger-Ztg." offen aus, was aus taktischen Gründen Abg. Liebermann von Sonnenberg geleugnet hat! Das Centrum erntet denselben Dank. Eine Woche nach der erwähnten Abstimmung war in dem jetzt von Ahlwardt und Dewald redigirten Sedlatzek'schen Blatte zu Lesen: „Es kann fast nur noch eine Frage der Zeit sein, daß ein K o h n durch den Einfluß des internationalen Judenthums den päpst- . lichen Thron besteigt, ist doch in gewiffem Sinne Aehnliches schon heute in unserem lieben Vaterland vorhanden, da der Mann einer Jüdin der Führer und Sprecher des Centrums, also gewiffermaßen der Herrscher des letzteren ist. Wehe aber, wenn der kuror teutonlaus eines Tages in seinem ganzen Grimme losbricht, denn alle Dinge haben eine Grenze, und diese Grenze könnte eine äles irae werden für alle jene, welche mithalfen, diesen Schrecken heraufzubeschwören." Diese gegen das Centrum gerichtete Drohung der Antisemiten verliert dadurch, daß der Centrumsführer thatsächlich nicht der „Mann einer Jüdin" ist, keineswegs ihre Bedeutung, auch dadurch nicht, daß sie von den radikalsten Antisemiten ausgeht, welche doch nur unvorsichtig ausschwatzen, was ihre diplomatisch geschulteren Gesinnungsgenossen denken und auf Schleichwegen anstreben! Diesen letzteren werden die radikalen Antisemiten nicht nur ivegen ihrer Schwatzhaftigkeit und ihrer unbesonnenen Angriffe auf andere einflußreiche Fraktionen, sondern auch durch ihre burleske Agitationsweise von Tag zu Tag lästiger. Die Umstände, unter welchen die durch Ahlwardt angeregte und während dessen Abwesenheit am 31. März durch Sedlatzek und Eggert im Zelt Nr. 1 im Berliner Thiergarten ausgeführte Begründung einer „Allgemeinen antisemitischen Frauen-Vereinigung" erfolgte, sowie die Vorgänge in den durch Hans vonMosch als „Generalmeister" und Hans Puchstein am 5. April veranstalteten Versammlung des „Germanischen Volksbundes" zeigten hinreichend, daß diese Art der Agitation sich überlebt hat. Daraus folgt aber noch keineswegs, daß nun der Antisemitismus überwunden sei, der vielmehr weit größere Gefahren in sich birgt, weil er durch das von den schlauesten antisemitischen Führern tropfenweise verspritzte Verleumdungsgift die ein-

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