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Im deutschen Reich · 1897-04-01 · Heft 4 (April 1897) · p. 212

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 4 (April 1897)
Article
Umschau
Date
1897-04-01
Page
212 (sequence 3)
Language
German
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212 3m deutschen Reich. das wohlausgesonnene antisemitische Planchen doch noch in letzter Stunde scheitern dürste. Eine Aeußerung der Regierung über den konfessionellen Eid liegt bis jetzt nicht vor; für sie hat die bisher geltende einheitliche Eidesformel einen Werth, der nicht unterschätzt werden dürfte und durch religiöse Gründe nicht beeinträchtigt wird. Treffend sagte über diese Formel die „Pfälzische Presse": „Kein religiöser Mensch sollte an dieser Formel etwas auSzusetzen haben. Allerdings ist sie so weit, daß jeder Religiöse sie nachsprechen kann. Aber das ist gerade ihr Vorzug. Die Formel sagt nichts vom Christenthum, aber es genügt, daß sie eine relegiöse Formel ist. Seit Jahrhunderten erbauen sich die Christen' an den Psalmen, die doch auch wesentlich jüdisch sind. Sie nehmen kaum Anstoß an einzelnen Stellen, die ihrem christlichen Empfinden nicht entsprechen. Also dürften sie auch nicht an einer Eidesformel Anstoß nehmen, die das allen Religionen Gemeinsame knapp ausdrückt, ohne irgend ein Glaubensbekenntniß zu verletzen. Die Konfession hat ihren Platz nicht im Gerichtssaal. Der Staat hat kein Recht, eine Schwurformel aufzustellen, die unser Schiller, der sich aus Religion zu keiner Religion bekannte, nicht nachzusprechen vermöchte. Auch die Verhandlungen des Reichstags über den konfessionellen Eid hatten ihr Gutes. Die Vertreter des deutschen Volkes haben auf Mißstände hingewiesen, welche die Heiligkeit des Schwurs beeinträchtigen und ihm den Charakter einer religiösen Handlung rauben. Vor allem wurde gerügt, daß die gerichtlich verlangten Eide zu häufig sind und daß auch bei Kleinigkeiten zum Rechtsmittel des Schwurs gegriffen wird. Hoffentlich haben die Gesetzgeber von den Reichstagsverhandlungen mancherlei gelernt/" Inzwischen werden sich die Parteien, welche die Annahme des Antrages bewirkten, überzeugen, daß sie für ihren, den Antisemiten geleisteten Dienst keinen Dank zu erwarten haben. Der Führer der deutsch-sozialen Reformpartei, Abg. Zimmermann, ließ bereits in dem Dresdener Antisemitenblatte die konservativen Helfer durch die Worte abkanzeln: „Für das Ergebniß der Abstimmung sind die Beweggründe der einzelnen Parteien selbstredend ohne Belang. Aber auch die Konservativen, die sich nicht nur als Handwerkerfreunde, sondern auch als gute Antisemiten ausgeben, hielten es für nöthig, durch ihren Abgeordneten Schall ausdrücklich versichern zu lassen, daß der Antrag keine antisemitische Spitze habe! Trotz Tivoliprogramm, trotz wiederholter feierlichster Versicherungen!" Die „Staatsbürger Ztg." wandte sich in demselben Sinne scharf gegen den konservativen Redner Schall nüt der Erklärung: „Die große

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