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Im deutschen Reich · 1897-04-01 · Heft 4 (April 1897) · p. 204

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 4 (April 1897)
Article
Gabriel Riesser
Date
1897-04-01
Page
204 (sequence 12)
Language
German
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204 3m deutschen Reich. bin ich überzeugt, wird man es in Deutschland anerkennen, wenn sich die Monarchie als eine große und mächtige Trägerin und Schützerin der Staats- und Volkseinheit bewährt. Wie Deutschland Preußen zu seiner Erstarkung bedarf, so bedarf Preußen Deutschland zu seiner inneren Versöhnung, denn der Name des „Deutschen" schlägt an alle Herzen an, der wird nirgends zurückgestoßen. Und Preußen, dessen Größe ich verehre, ist doch immer ein Kunststaat, Deutschland ein Volksstaat, ein Naturstaat, und so wie die Natur mächtiger ist als die Kunst, so wie der gewaltige Strom, den die Natur geschaffen, eine größere Gewalt hat, als das künstliche Wasserwerk, das der weise Werkmann gefügt hat, so behaupte ich, wird, wenn Preußen und Deutschland vereint sind, die Naturkraft Deutschlands die künstliche Kraft von Preußen überwiegen. Der Name Preußen spricht mächtig zum politischen Verstand, aber nur der Name Deutschland spricht zugleich zum Herzen. Dieses Uebergewicht aber, dieses geschichtliche „Aufgehen Preußens in Deutschland" kann nur das allmähliche Werk der freien edlen Hingebung des großen Preußens an das größere Deutschland sein; aber nimmermehr können wir Preußen Bedingungen stellen, die seine Existenz aufheben; nimmermehr können wir Preußen zumuthen, daß es über Sein und Nichtsein mit uns in Verhandlung trete; ja, ich erkläre es offen, sowohl Deutschlands als Preußens wegen dürfen wir nicht wünschen, daß Preußen im Mindesten in seinem Bestände erschüttert werde, bis Deutschland sicher und fest für die Ewigkeit gegründet ist. — Der Ausgang der Abstimmung ist ungewiß — jede Stimme aus einem Munde, dessen Ausspruch Deutschland ehrt — und es giebt solche Männer unter allen Fraktionen des Hauses — jede Stimme, die aus solchem Munde ein Nein gegen die Verfassung Deutschlands uns entgegenwirst, wird uns schmerzen wie eine Wunde an dem einheitlichen Körper Deutschlands. Wir werden nicht triumphiren, wenn wir siegen, wir werden vielmehr zu unseren Gegnern flehen, wir werden sie beschwören, sich dem Vollzüge unseres Werkes mit ganzer Thätigkeit anzuschließen um des Vaterlandes willen. Frohlocken werden wir erst dann, wenn nirgends mehr auf deutscher Erde ein edles Herz mit Bitterkeit gegen unsere Verfassung erfüllt ist, und ich bin gewiß, die Zeit wird kommen. — Wenn unser Werk nicht gelänge, nun dann, meine Herren, wir

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