Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 4 (April 1897)
- Article
- Gabriel Riesser
- Date
- 1897-04-01
- Page
- 205 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Gabriel Rieffer. 205 verhehlen es uns nicht, daß damit ein großer Theil der Hoffnung Deutschlands verschwinden würde. Aber an dem Werke des Aufbaues des Vaterlandes verzweifeln werden wir für unser Theil nicht. Wenn der Römer das Schicksal und die Freiheit des Vaterlandes aufgab, so geschah es mit dem letzten Hauch seines von eigener Hand genommenen Lebens. Als Kosciusko jenes weltgeschichtliche Firns Poloniae ausries, lag er nach verlorener Schlacht unter den Hufen der feindlichen Rofle. Die Behaglichkeit aber, mit der jetzt manchmal Buben an dem Geschicke des Vaterlandes verzweifeln, gehört zu den widrigsten Erscheinungen der Gegenwart. Darum, meine Herren, wenn unser Vorschlag fiele, so würden wir nicht ermüden, so sehr auch unsere Hoffnungen gesunken sein mögen, Paragraph für Paragraph in treuer Arbeit, wie Sandkorn auf Sandkorn nach dem Worte des Dichters, zu dem Bau der Ewigkeiten zu tragen. Wir werden, wenn der Stein, den wir dem Gipfel nahe glaubten, sich abermals herabwälzt und „mit Donnergepolter" zu unseren Füßen niederfällt, ihn immer von Neuem heben und emporzuwälzen suchen, und in duldender Arbeit beharren, bis der erwachende Genius des Vaterlandes die Fessel bricht und uns von der Qual vergeblicher Arbeit erlöst. — Ich rufe Ihnen zu: Bleiben Sie bei Ihrem Charakter, krönen Sie Ihr Werk, erfüllen Sie den alten, edlen Traum des deutschen Volkes von seiner Einheit, Macht und Größe, fassen Sie einen großen, rettenden, weltgeschichtlichen Entschluß!" s) Dresden. Emil Lehmann. •) Rieffer, Ges. Schriften Band IV. S. 555. 14*