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Im deutschen Reich · 1897-04-01 · Heft 4 (April 1897) · p. 202

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 4 (April 1897)
Article
Gabriel Riesser
Date
1897-04-01
Page
202 (sequence 10)
Language
German
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202 3m deutschen Reich. wand der Freiheit niemals, auch nur einen Augenblick, regiert werden können; es bedarf für jetzt und für immer einer mäßigen, einer gerechten, einer sittlichen Regierung. — Wir, die wir in der Waffenstillstandsfrage gegen die Mehrheit des Hanfes gestimmt haben, und die wir die Abstimmung nicht bereuen und sie wiederholen würden, wenn die Frage sich erneuern könnte — wir müssen das Bündniß mit jener großentheils erkünstelten Aufregung zurückweisen, welche eine schlechte Absicht an dieses Waffenstillstands- Votum geknüpft hat." Den Höhenpunkt 'feiner staatsmännifchen und rednerischen Thätigkeit im Parlament bilden Rieffer's Berichte und Aussprachen zum Entwurf der Reichsverfaffung. „Die Einheit Deutschlands" — erklärte er am 27. Oktober 1848") — „ist der Gedanke unseres Lebens, der Traum unserer Jugend gewesen, wir haben seine Flamme treu gehütet in den Zeiten, die feiner Verwirklichung wenig Aussicht zu bieten schienen; er war die hohe Verheißung des deutschen Genius, auf deren Erfüllung wir vertraut haben. Die neuesten Ereigniffe haben gezeigt, daß wie nach dem Worte unseres großen Dichters die Natur, so auch die Geschichte mit dem Genius in ewigem Bunde steht und daß der eine hält, was der andere verspricht. Und jetzt, da uns die Verwirklichung jenes großen Gedankens winkt — jetzt sollten wir bei dem ersten großen Schritte in das Leben ihn verkümmern und verkrüppeln lassen, jetzt sollten wir selbst die alte Zweideutigkeit in unfern Ausspruch aufnehmen, jetzt sollten wir der alten Zerrissenheit, die wir beklagt haben, durch unsere eigene Bestimmung den Zugang, wieder eröffnen wollen?" In seiner Schlußrede für den Welcker'schen Antrag auf Uebertragung der Kaiserwürde auf den König von Preußens sagte Messer: „Auch ich kann mir kein Volkshaus denken ohne Volk; auch für mich ist der Boden des gemeinsamen Vaterlandes die nothwendige Grundlage jener volksthümlichen Institution. Aller Streit der Parteien, aller Kampf der Meinungen und der Interessen selbst muß in dem Gedanken an das Heil und die Ehre des Vaterlandes ein Moment der Einigung, Versöhnung und Erhebung finden, und die Geschichte wird ihr Wehe: rufen über eine volksvertretende Ver- -) Rieffer's Ges. Schriften. Band IV, S. 427. b) Niesser's Ges. Schriften, Bd. 11., S. 523.

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