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Im deutschen Reich · 1897-04-01 · Heft 4 (April 1897) · p. 195

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 4 (April 1897)
Article
Gabriel Riesser
Date
1897-04-01
Page
195 (sequence 3)
Language
German
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Gabriel Riesser. 195 wägungen politischer Berechnung zurüäzuweisen und eine Grenze zu ziehen zwischen Berechtigten und Rechtlosen. Von diesem Standpunkt aus sprach er im Vorparlament mit Wärme für das unbeschränkte Wahlrecht. Aus der andern Seite aber konnte sein Verstand und sein ernster Drang nach einer festen und vernünftigen Staatsordnung sich den Bedenken und Erfahrungen nicht verschließen, welche gegen die unbeschränkte Ausübung eines so wichtigen Rechtes zu sprechen schienen. Das schwere Unrecht, welches der Nation und der Nationalversammlung durch die Verwerfung der von dieser rechtmäßig zustandegebrachten Verfassung und durch die versuchte gewaltsame Aufdrängung einer anderen, von wenigen Kabinetten oktroyirten, angethan werden sollte, regte Rieffers ganzes sittliches Gefühl aus und brachte ihn zu dem Entschluß, Alles zu versuchen, um dies Unrecht abzuwenden. Er trennte sich deshalb mit einigen näheren'Freunden, zu denen namentlich Wurm und ich gehörten, von der Mehrheit des Weidenbusches und ging in den Nürnberger Hof über. Aber bald ließ daffclbe sittliche Gefühl ihn vor den Folgen seines Schrittes und namentlich vor der drohenden Gemeinschaft mit den Elementen der Unordnung zurückbeben, die er von jeher mehr als alles Andere gehaßt und gefürchtet hatte. Dieser Zwiespalt mit sich selbst versetzte ihn in einen Zustand so großen geistigen und körperlichen Leidens, daß er die Versammlung verlassen mußte, um sich in der Zurückgezogenheit und im Genuffe der Natur wieder zu erholen. Er hintcrlieb mir Vollmacht für den Fall, daß ich mich bestimmt fände, ganz aus der Versammlung zu treten, auch für ihn den Austritt zu erklären. Wer Rirffers ganzes Wesen, wer namentlich seine Stimmung und Anschauung der Verhältniffe in dieser letzten schweren Zeit recht genau kennen lernen will, dem empfehle ich zur Lektüre den ausführlichen, mit seiner gewohnten Meisterschaft geschriebenen „Rechenschaftsbericht" meines trefflichen Freundes, womit dieser seinen Wählern seinen Austritt aus der Versammlung anzeigte." Ein anderer Parlamentsgenoffe Riefferü, Wichmann, schilderte nach 40 Jahren den nachhaltigen Eindruck seiner meisterhaften Beredsamkeit Mit folgenden Worten:-) -) Wichmann, Denkwürdigkeiten auS der PanISkirche. Hannover 1838, <s. 357.

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