Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 3 (März 1897)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1897-03-01
- Page
- 179 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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verrinsnachrichten. 179 fähigung, nicht von dem religiösen Bekenntniß abhängig erklärte. Damit wäre das Wichtigste erreicht worden, die völlige staatsbürgerliche Gleichstellung, wenn mit der gesetzlichen Gleichstellung auch die thatsächliche Erringung der Rechte verbunden gewesen war. Daran fehlt eS indessen noch. Der Redner verwies darauf, daß die Juden in Preußen keinen einzigen aktiven Offizier aufzuweisen haben, daß selbst jüdische Landwehroffiziere zu den Seltenheiten gehören, daß in der Verwaltung Juden keine Anstellungen finden, in richterlichen Stellungen nur bis zu einer bestimmten Grenze Vordringen können, daß die Unterrichtsverwaltung den jüdischen Lehrern und Lehrerinnen neuerdings wieder enge Grenzen gezogen hat. Angesichts dieser Verkümmerung der Gleichberechtigung auf dem Wege der Verwaltung werde die Vertheidigung der so mühsam erworbenen Rechte den Juden zur heiligen Pflicht. Wir dürfen es uns nicht gefallen lassen, daß unsere Gleichberechtigung nur auf dem Papiere steht. Dagegen anzukämpfen ist für uns Ehrensache, ist ein Dienst, den wir dem Vaterlande erweisen, dem es nur Vortheil bringen wird, wenn tüchtige Kräfte nutzbar gemacht werden, die man jetzt aus Vorurtheil brach liegen läßt. Unsere Pflicht sei es, die Oeffentlichkeit zu benutzen, das Material zu sammeln und zu verbreiten, in der Presse und durch Petitionen, durch Schrift und Wort dahin zu wirken, Haß Recht Recht bleibe. Die Gewalt habe nie das letzte Wort, sondern das gute Recht, und dies sei auf unserer Seite! Eine Diskussion schloß fich an den beifällig aufgenommenen Vortrag nicht an. Die am Dienstag, den 16. März, in dem großen Saale des „Königstädtischen Casinos", Berlin 0., Holzmarkt-Straße 72, abgehaltene recht zahlreich besuchte Versammlung der im 0., 8. und 80. wohnenden Mitglieder des Central-Vereins wurde von Herrn Hermann Cohn geleitet. Derselbe ertheilte zunächst Herrn vr. med. Jos. Lewy das Wort zu einem Vortrage über „Anti- Antisemitisches". Der Redner führte aus, wie übel die deutschen Juden berathen gewesen seien, als sie bei dem Wiederaustauchen mittelalterlicher Anschauungen und angesichts einer rücksichtslosen Aufstachelung der Mafien Jahre hindurch müßig die Hände in den Schooß legten, und wie dankenswerth das Eingreifen der Begründer des Central-Vereins gewesen sei, welche es dahin brachten, daß jetzt der Gedanke der Selbstvertheidigung immer weitere Kreise durchdringt, daß die deutschen Juden sich mehr und mehr auf sich selbst besinnen und sich freimüthig und selbstbewußt als Juden bekennen. Auf diesem Wege müsse man weiter schreiten, wenn auch der „lärmende Antisemitismus" des „cis- und transatlantischen Kammerjägers"