Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 3 (März 1897)
- Article
- Umschau
- Date
- 1897-03-01
- Page
- 161 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau. 161 vollständig ablehnend verhalten. Das konservative „Vaterland^ wies kürzlich darauf hin, daß die antisemitische deutsch-soziale Reformpartei, es nicht einmal für rathsam hielt, bei der von ihr am 27. Februar, veranstalteten Vorfeier des Geburtstages Kaiser Wilhelms die Versammlung unter eigener Flagge einzuberufen. Das genannte Blatt, schrieb ferner: „Man wollte vorher nicht wissen lassen, daß Reichs- Lagsabgeordneter Zimmermann der Festredner war, weil man annahm, daß sonst wohl viele der geladenen Gäste auf ihr Erscheinen von. vornherein verzichten würden. Zieht denn die alte Firma garnicht mehr?? Muß man sich denn solcher Mittelchen bedienen, um nationale Festseiern zu veranstalten? Herr Zimmermann, sagt übrigens die „Wacht", will nicht nach Berlin übersiedeln, und sie erbost sich gewaltig über die von uns hierzu gebrachte Mittheilung. Wenn wir. nun aber doch Recht hätten, daß die Uebersiedelung des genannten. Herrn nach der Reichsmetropole nicht lange auf sich warten ließe! Im Uebrigen möchten wir aber heute schon auf den demnächst erscheinenden Geschäftsbericht der „Deutschen Wacht" aufmerksam machen, der ziffernmäßig darthun wird, in welcher Weise das reformerische „Weltblatt an der Elbe" die Erwartungen seiner Aküonäre im letzten Geschäftsjahr erfüllt hat." — .Selbst für den „Vater des Antisemitismus" ist das Interesse der maßgebenden Kreise in Dresden völlig erkaltet. Ein Vortrag des H o f p r e d i g e r s a. D. S t ö ck e r aus Berlin bedeutete in früheren Jahren für Dresden ein Ereigniß, das einen gewaltigen Menschenstrom veranlaßte, den größten Saal der Stadt bis auf den letzten Platz zu füllen. Diese Zeiten sind vorüber, wie der am 9. März stattgesundene Vortragsabend des Christlich-sozialen Vereins in „Meinhold's Sälen" bewies. Der mäßig große Saal war besetzt, aber in der Mehrzahl mit Vertretern des weiblichen Geschlechts, ein zu beachtendes Zeichen der Zeit: Sein Vortrag über „Carlyle als christlich-sozialer Prophet mit Anwendung auf unsere heutigen Verhältnisse" hatte wenig politische Bedeutung, er ließ den alten Streiter Stöcker nicht wiedererkennen, der nur in der Einleitung das Prinzip der Christlich-Sozialen betonte und im Uebrigen nur biographische Mit- Lheilungen bot. Der erbitterte Wahlkampf, der in den letzten Wochen in Oesterreich getobt hat, dürste die maßgebenden Kreise in Deutschland belehrt haben, welche Früchte der Antisemitismus zeitigt. Die neugeschaffene Kurie ist offenbar nur den extremen Parteien zuStatten gekommen, hat außerdem auch mehrfach zu ernsten Zusammenstößen der Parteien Anlaß gegeben. Unter solchen Umständen ist eine sehr bewegteReichsraths-Session zu gewärtigen. Daß jetzt in den liberalen Kreisen Wiens eine 11*