Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 3 (März 1897)
- Article
- Umschau
- Date
- 1897-03-01
- Page
- 160 (sequence 6)
- Language
- German
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160 Im deutschen Reich. zifirt haben, darf der apostolische Stuhl nicht zu einer endgiltigen Entscheidung hervortreten. Geduldigen Sie sich demnach. Herr Kardinal, bis zum geeigneten Zeitpunkt (tsmxus opportunum)." Vielleicht ist dieser Zeitpunkt nicht mehr fern! Die Auseinandersetzungen der Antisemiten mit den Konservativen wegen des Abfalls der letzteren vom Antisemitismus wurden am 9. und 10. März in zwei Versammlungen in Berlin fortgesetzt. In der ersteren erklärte der antisemitische Redakteur H. Puchstein: „Die Wahl des Herrn v. Levetzow an Stelle des Herrn v. Manteuffel sei trotz aller konservativen Ableugnungsversuche die Kapitulation vor dem Judenthum; v. Levetzow habe s. Z. als einziger seiner Fraktion gegen das Verbot der Judeneinwanderung gestimmt. Nach dem Verhalten der konservativen Führer in der Judenfrage sei die Zustimmung zum Tivoli-Programm nur als Mittel zum Wählerfang anzusehen. Darauf bezeichneten die anwesenden konservativen Oberlehrer S p r u t h und Kupfer- Charlottenburg die „Hetze" gegen die konservativen Führer als ein höchst unglückliches Manöver; inBerlin könnten die Antisemiten ohne konservative Hülfe garnichts ausrichten. Nach dem Auftreten des Herrn Puchstein und der schroffen Stellungnahme der „Staatsb.-Ztg." gegen die Konservativen würden sich die letzteren wohl auch für eine Waffenbrüderschaft von dieser Seite bedanken. In der am 10. März im „Königshof" in Berlin abgehaltenen Versammlung des Zentralvereins der Konservativen gab der Vorsitzende Freiherr von dem Bottlenberg zu, daß seine Parteigenossen die G e - letzgebung vielfach im antisemitischen Sinne beeinflußt hätten, aber die meisten Redner wandten sich mit derselben Entschiedenheit gegen die Kartell-Vorschläge des anwesenden vr. Fr. Lange wie gegen die Aeußerungen des Vertreters der deutschsozialen Reformpartei, Wartmann, auf dessen Angriffe Freiherr von Langen antwortete: „Ich bin nicht von antisemitischen Vereinen oder Körperschaften zur Wahl aufgestellt worden. Ich habe auch nicht eine einzige Versammlung abgehalten, in der ich nicht gesagt habe, daß ich zur deutsch-konservativen Partei gehen würde. So ist es aber: die Antisemiten gehen mit Unwahrheiten und Fälschungen vor — natürlich unbewußt!" Voraussichtlich werden Liebermann von Sonnenberg und Friedrich Lange in Preußen mit den Konservativen und dem Centrum dieselben Erfahrungen machen wie der Reichstagsabgeordnete Zimmermann mit seinen konservativen und nationalliberalen sächsischen Landsleuten, die sich gegen die deutsch-soziale Reformpartei schon seit geraumer Zeit