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Im deutschen Reich · 1897-03-01 · Heft 3 (März 1897) · p. 159

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 3 (März 1897)
Article
Umschau
Date
1897-03-01
Page
159 (sequence 5)
Language
German
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Umschau. 159 im Si'nrie Bismarck'S sein soll e. Die Centrumspartei sei deshalb ausgeschloffen, ein jeder gute Katholik als solcher jedoch willkommen. Der Redner betonte, daß auch die Regelung der Judenfrage zu einer der Aufgaben des Kartells gehöre. Von den konservativen Rednern Schulz-Berlin und Forster-Köln wurde aber vor der zu häufigen Betonung der Judenfrage so ernstlich gewarnt und der Angriff, den der Reformer Fröhlich-Potsdam gegen den Freiherrn von Langen wegen seines Briefes andie „Post" richtete, so entschieden zurückgewiesen, daß jede Hoffnung auf ein praktisches Ergebniß des „ersten deutschen Kartell-Tages" ausgeschloffen war. Der Ausschluß der Centrumspartei aus dem Lange'schen „Deutsch-Kartell" dürfte das über die ausgegebene Losung „Gegen Centrum und Juden" verwunderte katholische Blatt „Germania" endlich belehrt haben, daß in gewissen Kreisen der „furor teutonicus“ sich mit derselben Heftigkeit gegen die „Römlinge" wie gegen die „Semiten" richtet. Zahlreiche hohe katholische Kirchenfürsten haben die Situation richtig erfaßt und deshalb gegen den Antisemitismus Stellung genommen. Bei seinem jüngsten Besuche in Rom trug der Erzbischof in Prag, Graf von Schönborn, dem Papste vor, welchen unheilvollen Einfluß die Verhetzungen des Volkes von Seiten der Antisemiten in verschiedenen Ländern schon gehabt habe. Der Erzbischof wollte den Papst dazu bewegen, eine Encyklika gegen die Antisemiten zu erlaffen, damit rechtzeitig gewaltsamen Ausbrüchen zügelloser Leidenschaft, wie sie im Mittelalter so oft vorkamen, vorgebeugt werde. Wie das von dem Antisemiten Wengg in München redigirte „Deutsche Volksblatt" behauptete, sollte der Papst darauf erwidert haben: „Herr Erzbischof, Sie mißkennen die Situation; die Verhältnisse sind nicht mehr so geartet, daß die Juden eines Schutzes bedürfen gegen das Volk, welches einen schweren Kampf auskämpst gegen die Uebermacht, die heut zu Tage auf Seiten der Juden ist." Die Unglaubwürdigkeit dieser Aeußerung veranlaßte die Redaktion der „Mittheilungen aus dem Verein zurAbwehrdesAntisemitismus" sich an einen Mann zu wenden, von dem anzunehmen war, daß er in der Sache vollständig instruirt sei. Dieser schrieb: „Der Bericht des „Volksblattes" ist grundfalsch. Der Papst sagte: „Als Nachfolger jener Päpste, die trotz Ungunst der Zeiten (injuria temporum) dem jüdischen Volke Günstiges dekretirt haben, muß ich die Lieblosigkeit und Ausschreitungen (excessus) der Antisemiten ernstlich verdammen (damnare); aber in einer Zeit, wo der Streit noch im Flusse ist und die Negierungen ihre Stellung zum Antisemitismus nicht prä-

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