Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 3 (März 1897)
- Article
- Umschau
- Date
- 1897-03-01
- Page
- 157 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau. 167 Fabel erdichtet, verdient er Züchtigung; hat er aber die Geschichte von Ahlwardt gehört und glaubt sie, ist er ein bedauernswerther Narr, den man unter Vormundschaft stellen sollte". Ganz ähnlich scheint es sich mit seinem angeblich in der Synagoge zerklopften Hut Md seiner vermeintlichen „Revolver-Affaire" zu verhalten, denn der Polizei-Präsident von New-Dork, Theodor Roosvelt, berichtete bei der Eröffnung des „Hebrew Technical Institute" das Folgende: „Als Ahlwardt seine Agitation in New-Dork beginnen wollte, kamen hier ansässige Juden zu mir und richteten an mich das Ersuchen, sein Auftreten zu verbieten. Ich sagte den Leuten, daß nach unseren Gesetzen auf jeder öffentlichen Plattform der Christ den Juden und der Jude den Christen verlästern kann, wenn er dadurch nur keinen Auftuhr verursacht. Ich verabscheue Beides. Nachdem mich die Bittsteller verlassen hatten, erdachte ich einen Plan, der nach meiner Meinung viel wirkungsvoller sein mußte, als Ahlwardt das Reden zu verbieten. Und was habe ich gethan? Ich sandte dem Mann, so oft er sprach, eine Leibgarde von vierzig jüdischen Polizisten nach der Versammlung, welche treu ihrer Pflicht, Ahlwardt, wo es nöthig war, ausreichenden Schutz angedeihen ließen. Und der große Antisemit weiß noch bis heute nicht, daß die Beschützer, die den Mob von ihm abwehrten und mehr als einmal seinen Rückzug aus der Halle deckten, ausschließlich — Juden wäre n." Für die Tivoli-Konservativen mag der Antisemitismus, den die Reichstags - Abgeordneten Liebermann von Sonnenberg und Freiherr von Langen vertreten, genießbarer sein als der Ahlwardtismus — vorurteilsfreie Männer, welche der ganzen Bewegung eine unbefangene Beobachtung widmen, wird das eine nicht sympathischer berühren als das andere. Der Bericht der „Kreuz- Zeitung", daß der „konservativ-antisemitische Wahlverein für Friedeberg und Umgegend" sich gegen Ahlwardt völlig ablehnend verhalte, dagegen dem Abg. Liebermann von Sonnenberg Sympathien entgegenbringe, dürfte zutreffend sein. Allzuweit würden sich diese Herren damit nicht von Ahlwardt entfernen, der nicht viel Schlimmeres gesagt hat als der Abgeordnete Liebermann von Sonnenberg, welcher in der Versammlung des Bundes der Landwirthe erklärte, „er verlange eine Grenzsperre nicht nur gegen krankes Vieh, sondern auch gegen die Juden." Die von der „Nationalliberalen Korrespondenz" verbreitete Nachricht, daß zwischen den Antisemiten und dem Bunde der Landwirthe Einigungsversuche gemacht würden, erscheint durch das Verhalten der genannten beiden Abgeordneten durchaus glaubhaft.