Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 3 (März 1897)
- Article
- Schuldirektor Dr. David Fränkel
- Date
- 1897-03-01
- Page
- 150 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316624-2316628-2320104--02250-2320208- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
150 Im deutschen Reich. schweigend in dieser Stellung bestätigt hatte. Bis 1805 boten die oben erwähnten Veränderungen im Wesen der Anstalt, die mehrfache Umgestaltungen des Unterrichtsplanes nöthig machten, ihm vollauf Gelegenheit, sein Talent und Geschick für die Schule an den Tag zu legen. Als nun 1805 eine Pause in der Entwicklung der Franzschule eintrat, zögerte er nicht, sich durch Errichtung einer „Jüdischen Töchterschule",*) die er 1806 auf eigene Kosten ins Leben rief, ein neues Arbeitsfeld zu erschließen. Herzog Franz nahm daher auch gar keinen Anstand, ihn mittelst Diploms vom 20. Januar 1808 zum „ordentlichen Direktor" der jüdischen Schulen in Deffau zu ernennen und ihm dadurch den Charakter eines Staatsbeamten zu verleihen. Das Diplom lautet: „Von Gotres Gnaden, Wir Leopold Friedrich Frantz, ältestregierender Herzog und Fürst zu Anhalt, Ritter des königlich preußischen schwarzen und rothen Adlerordens, urkunden hiermit und fügen zu wißen, daß Wir auf untertänigstes Ansuchen der hiesigen Judenältesten, den Vorsteher der jüdischen Schulen David Fränkel wegen seiner ausgezeichneten Verdienste, sowohl um die Knaben, als auch um die neulich von ihm selbst errichtete Töchterschule zum ordentlichen Direktor dieser Schulen ernannt und bestätigt haben. Wir thun auch solches hiermit und kraft dieses dergestalt, daß solcher gedachter David Fränkel sich dieses Prädikats überall bedienen, und sowohl von den Unsrigen als auch insbesonders dafür geachtet werden sollte. Dessau, 20. Januar 1808. L. F. Frantz, Herzog und Fürst zu Anhalt.- Nur sieben Tage nach Ausfertigung dieses Diploms erfolgte jedoch eine gewaltige Aenderung für die Juden Anhalts; sie gehörten, in Folge der Ereignisie, die Preußen und seine Verbündeten trafen, zum Königreich Westfalen. Am 31. März 1808 wurde das jüdische Konsistorium in Kassel gegründet, dessen Vorsitzender Israel Jacobson, von dem organisatorischen Geschick Fränkels überzeugt, nichts Eiligeres zu thun hatte, als den neuernannten Direktor zum Konsistorialrath nach Kassel zu berufen und ihm 1000 Thaler Gehalt zu bewilligen. Mit Zustimmung seines Landesherrn folgte Fränkel zwar dem Ruse, schied aber nicht aus dem anhaltischenDienste aus und leitete vonKassel aus die.DessauerSchulen. — Nachdem sich Fränkel 1810 verheirathet hatte, war es ihm nicht mehr möglich, die Directorsielle wie bisher unentgeltlich zu *) In Berlin wurde die erste jüdische Mädchenschule am 7. Februar 1835 im Gemeindehause in der Heidereutergasse mit zwei Klassen eröffnet.