Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 3 (März 1897)
- Article
- Gabriel Riesser
- Date
- 1897-03-01
- Page
- 142 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316624-2316628-2320103--02241-2320200- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
142 Im deutschen Reich. Volkes ist, wie ein preußischer Minister im Jahre 1912 in einer amtlichen Ansprache von dem preußischen Staat gesagt hat, die Früchte der Revolution auf friedlichem Wege zu pflücken? Mancher Feind der Freiheit hat schon dem deutschen Volk viel Schmeichelhaftes darüber gesagt, wie weit es dasselbe doch gebracht habe ohne politische Freiheit, wie es an Glück und Wohlstand, an Bildung und Sitte gedeihe, in Kunst und Wissenschaft fortschreite, und das Alles ohne Freiheit. Es ist das eine seltsame Rede. Freilich, den Glanz unserer Sonne, das Grün unserer Wiesen, die Anmuth unserer Frauen, den Frieden unserer Familien, die Gesänge unserer Dichter, die Weisheit unserer Weisen — das Alles kann uns freilich der politische Druck nicht rauben. Aber auch andere Völker haben das Alles und haben politische Freiheit dazu. Und dann, wenn das deutsche Volk so große Vorzüge besitzt vor anderen Völkem in der Fähigkeit, die Freiheit zu entbehren, warum sollte es denn nicht ebenso große Vorzüge vor anderen Völkern besitzen in der Kunst, die Freiheit zu genießen und zu gebrauchen? Wenn es in seinem jetzigen Zustande, was wir freudig einräumen, weit hervorragt vor allen anderen unterdrückten Völkern, warum sollte es nicht einst ebenso weit hervorragen in der Reihe der freien Völker? Lassen Sie uns mit dieser frohen Hoffnung schließen und lassen Sie die Gläser klingen auf die Entwickelung der innern Freiheit Deutschlands!"") Die Hamburger Zensur bestätigte den Inhalt dieser Rede durch Verbot ihrer Veröffentlichung. „Ein Däne" zieh Riesser in einem Zeitungsartikel des Widerspruchs, weil der muthige Verfechter der Rechte der Juden für Schleswig-Holstein eintrete, dessen Abgeordnete die vom dänischen König geplante Besserstellung der Juden abgelehnt hätten. Riesser hatte sich warm seiner Glaubensgenossen gegenüber den Schleswig-Holsteinern angenommen, aber trotz damaliger Erfolglosigkeit dieses Schritts bestritt er den Zusammenhang der Judensrage mit der Rechtsfrage. Es bewies damit in überzeugender Weise seinen deutschen Rechtssinn. Rieffers zündender Trinkspruch zum 18. Oktober 1846 war, wie der glänzendste Befähigungsnachweis, so auch der Anlaß zu seiner Wahl in's Frankfurter Parlament im Jahre 1848. ") Riessers Ges. Schriften Band IV S. 366.