Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 3 (März 1897)
- Article
- Gabriel Riesser
- Date
- 1897-03-01
- Page
- 143 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Gabriel Riesser. 143 Noch 1847 schrieb er seiner Freundin aus Anlaß der Verhandlungen des Vereinigten Landtages in Preußen über das Judengesetz: Dies „ist eher ein Ausgangspunkt als ein Ende des Kampfes. Das Weitere hängt jetzt davon ab, ob überhaupt das Verfassungswesen in Preußen Boden, Macht und Leben gewinnt. Die Voraussetzung eines edleren, freieren, bewußteren Volkslebens, an die ich vor bald siebzehn Jahren die Behandlung jener Frage zu knüpfen mich bemühte, ist im Grunde doch jetzt einigermaßen vorhanden; die Waffen für den Kamps sind erst jetzt geschmiedet, die Chance des Erfolgs erst jetzt gegeben. Wie glücklich wäre ich, wenn ich litterarisch irgendwie auf die Entwickelung des öffentlichen Lebens in Preußen einwirken und in diesem Zusammenhänge das Gut der Gewissensfreiheit mit könnte erringen helfen! Doch „mir rosten in der Halle Schild und Helm" — Wort und Gedanke. Ich hoffe, es soll auch nicht allzulange mehr so bleiben; ich fühle mich wenigstens geistig jung genug, um noch neue Bahnen der Thätigkeit als Anfänger zu versuchen." Und diese „neuen Bahnen" sollten sich ihm, wie ganz Deutschland im folgenden Jahre eröffnen, ihn aber sollten sie nicht als Anfänger, sondern sofort als Meister bewähren. In dieser Briefstelle ist ersichtlich, welche Bedeutung Riesser damals schon Preußen als führendem Staate Deutschlands beilegte. Das Jahr 1848 brachte die Morgenröthe deutscher Freiheit im deutschen Parlament. Ein Siebenerausschuß deutscher Abgeordneten berief alle früheren und gegenwärtigen Ständemitglieder und eine Anzahl anderer hervorragender Vertrauensmänner des deutschen Volkes, unter ihnen Riesser, zum Vorparlament, das die Nationalversammlung vorzubereiten und ein Wahlgesetz für sie zu berathen hatte. Schon in diesem Vorparlament hat „Riesser sich durch die gewandte Auseinanderwickelung einer schwierigen Fragestellung bemerklich gemacht, wodurch er den Verlegenheiten des Präsidenten und der Versammlung zu Hülfe kam."-") Sein Antrag, daß „jeder volljährige Deutsche ohne Bedingung des Standes, Vermögens und Glaubensbekenntnisses Wähler und wählbar sein müsse" ward angenommen. -1') Biedermann, Erinnerungen ans der Paulskirche S. 330. 10