Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 3 (März 1897)
- Article
- Gabriel Riesser
- Date
- 1897-03-01
- Page
- 137 (sequence 3)
- Language
- German
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Gabriel Rieffer. 137 das Seepter führen, einleuchtend gemacht «erden sollen! Laßt unS die Sache der Emanzipation vor einer Versammlung verfechten,welche dreißig Millionen Deutsche vertritt, und ich wollte mein Leben zum Pfände setzen, daß wir sie gewinnen würden." Mit diesen wunderbar schönen Worten prophetischer Begeisterung hat Gabriel Rieffer 1835, sage 1835, die Zukunft vorausverkündet, die Herrlichkeit eines deutschen Reiches, eines deutschen Reichstags vorgeahnt, in dem ihm selbst eine so hervorragende, so einflußreiche Stellung beschieden sein sollte. Diese Erinnerungsblätter sind nicht dem gewidmet, was Gabriel Rieffer seinen Glaubensgenoffen als Vorkämpfer ihrer Gleichberechtigung gewirkt und geworden, sondern dem, was er als Deutscher seinen deutschen Mitbürgern, seinem deutschen Vaterlande war. Ganz trennen laffen sich indeß diese beiden Richtungen seiner Schaffenskraft nicht, weil sie bei ihm aus einer Quelle stoffen, weil in ihm — man darf wohl sagen vorbildlicher Weise — Judenthum und Deutschthum: die Blüthe erhabenster herzerquickendster Lehren und Anschauungen über Gott und Menschen aus ältester Zeit mit der Denkenstiefe und Gemüthsinnigkeit des Germanen untrennbar vereinigt waren. In keinem Augenblicke seines Lebens, in keiner Zeile seiner Schriften fühlte er sich als Deutscher losgelöst vom Judenthume, als Jude ohne Rücksicht auf Deutschthum, beide waren als seines Lebens und Wirkens Ideale unlöslich in ihm verbunden. Daher auch die klassische Ruhe, die Formschönheit seines Styls, die seine Schriften, auch die polemisch schärfsten, in die Reihe der besten deutschen Schriftschätze erheben und ihnen — auch abgesehen von dem leider wieder brennend gewordenen Inhalt — auch um ihrer Klarheit und Gedankenfülle willen den Werth dauernder, über die Vergänglichkeit der Zeit- und Streit-Schriften-Litteratur hinaus fortwirkender Mustergültigkeit verleihen. Sie sind so gehalten, daß Stellen aus ihnen verdienen, in die Musterstücke deutscher Litteratur ausgenommen zu werden, vor Allem nicht fehlen sollten in den für Deutsche jüdischen Bekenntniffes und deren Heranwachsende Jugend bestimmten Lehr-, Bildungs- und Erbauungsbüchern. Dahin gehört z. B. schon aus seinem Erstlingswerk, die