Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1897)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1897-02-01
- Page
- 111 (sequence 3)
- Language
- German
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vereinsnachrichten. 111 schmähten Judenthums gewesen und dessen Ruhmestitel bleiben, ist die Geschichte deS Judenthums nicht arm. Unter ihnen steht obenan dergroße Philanthrop, der vor mehr als einem Decennium im Alter von über 100 Jahren sein Erdendasein beschloß, Sir MoseS Montefiore. Sein Beispiel zeigte, wie hohl die Lüge von der „jüdischen Engherzigkeit", von dem „Mammonsgeiste im Judenthume" ist. Ein Kämpfer für Freiheit und Recht, ein begeisterter Sohn seines Vater-' landes, gab er zugleich das erleuchtete Beispiel des selbstlosesten, hin-' gebendsten Weltbürgerthums. Der Retter unserer Ehre war zugleich der Helfer aller Elenden; er hat in Marokko Christen und Juden von tyrannischem Druck erlöst, die Lage der Juden in Palästina opferfreudig verbessert, syrische und persische Christen und Juden vom Hungertods errettet und an der Spitze der Verwaltung der Themsestadt ein Jahr hindurch so segensreich gewirkt, daß die Londoner- Bürgerschaft dieses Jahr als eines der glücklichsten bezeichnete, daß die von ihm begründeten und erhaltenen Wohlthätigkeits-Jnstitute von christlichen und jüdischen Geistlichen gleichmäßig gepriesen wurden. Jeder Zoll ein Jude, und doch, einer der hingebendsten Staatsbürger, fest im Glauben und dabei einer der treuesten Söhne Englands, hat er durch sein Beispiel gezeigt, daß das religiöse Bekenntniß den Juden nicht behindert, seine Bürgerpflichten voll und ganz zu erfüllen und damit den Anspruch auf alle Bürgerrechte zu erwerben. So hat er, der' als zwanzigjähriger Jüngling freiwillig unter die Fahne trat, um gegen Napoleon zu kämpfen, achtzig Jahre hindurch seinem Vaterlande treu und opferwillig gedient und sich als Jude um die Juden nicht minder große Verdienste erworben. Der Vortragende zeichnete nun den ganzen Lebensgang Monteflores, seine 1814 begonnene und bis zum Tode fortgeführte Amtsführung als Vorsteher der portugiesisch-jüdischen Gemeinde in London, seine wenn auch kinderlose, aber doch glückliche' Ehe mit einer gleichgesinnten edlen Gattin, dann Beider erste Pilgerfahrt nach Palästina im Jahre 1828, Monteflores Eintritt in das einflußreiche Institut des Board of Deputies, dessen Präsident er 1835 wurde, seine Erwählung zum Sheriff von London und Middleessex im Jahre 1837 und seine Ernennung zum Ritter nach dem Besuche der City durch die Königin Viktoria, seine zweite Fahrt nach dem durch ein Erdbeben theilweise verwüsteten heiligen Lande im Jahre 1838 und die damalige erfolgreiche Intervention bei Mehemed Ali in Alexandrien, die im Februar 1840 angetretene Fahrt nach Damaskus, wo das Verschwinden des Paters Thomas und seines Dieners eine von dem franzöflschen Konsul begünstigte entsetzliche Judenverfolgung veranlaßt hatte, deren Gräuel ein Ende nahmen, nachdem