Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1897)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1897-02-01
- Page
- 110 (sequence 2)
- Language
- German
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110 3m deutschen Reich' über die Stellung zum Antisemitismus und kam zu dem Schlüsse, daß man jetzt noch ruhig abwarten müsse, wie die Dinge sich weiter entwickeln würden, und. höchstens eine platonische Sympathie für die neue Partei empfinden könne. An den mit Beifall aufgenommenen Vortrag knüpfte fich eine sehr interefiante Diskussion, an der sich die Herren Direktor Moritz, Redakteur Karfunkel, vr. Moses, Alphonse Levy, S. Weile, Redakteur Flanter und vr. Schneider betheiligten; dieser erklärte sich mit der auch von sämmtlichen Vorrednern empfohlenen abwartenden Haltung einverstanden, betonte aber lebhaft, daß man der national-sozialen Bewegung nicht zu wenig Werth beimessen dürfe. Diese Bewegung könne insbesondere sehr heilsam auf die akademische Jugend einwirken, wenn sie in die Bahn einlenke, welche der christlich-soziale Pfarrer Eduard Schall bereits vor Jahren beschritten habe, als er in seinem Buche „Die Staatsverfassung' der Juden" eine völlig vorurtheilsfreie Gesinnung bekundete. Im Verlaufe der Debatte traten zwar wiederholt entgegengesetzte Anschauungen über den jetzigen Stand der antisemitischen Bewegung zu Tage; aber allseitig wurde der Wirksamkeit des Central-Vereins Anerkennung und Sympathie gezollt. Im Saale des City-Hotels, B e r l i n 8., Dresdner Str. 52/53, fand am 8. Februar 1897 eine sehr zahlreich besuchte allgemeine Versammlung des Central-Vereins statt, welche in Behinderung des ersten Vorsitzenden von Herrn Rechtsanwalt vr. M. L ö v i n s o n geleitet wurde. Herr vr. HirschHildesheimer begann einen Vortrag über „Sir Moses Montefiore" in tiefergreifender Weise etwa mit folgenden Worten ein: Schwer lastet der Druck der Zeit auf Israel! Die schwere Roth der schweren Zeit fordert ein starkes, ein opferwilliges Geschlecht. „Allen Gewalten zum Trotz sich erhalten", diese Mahnung des Dichters muß uns nicht nur aufrecht halten, sondern auch aufrütteln zu energischer pflichtbewußter That. Wehe uns, wehe unsern Nachfolgern, wenn „feiger Gedanken bängliches Schwanken" jetzt über uns Macht gewinnen würde! Wir dürfen nicht erlahmen in dem uns aufgedrungenen Kampf; ihn fortzuführen, zwingt uns das Gebot der Selbsterhaltung und — was höher steht — der Selbst würde. Wir müssen uns wehren gegen die Verleumdung unseres Glaubens und Stammes und bauen auf den endlichen Sieg der Wahrheit über die Lüge. Dabei wirkt besser als jede akademische Darlegung die zermalmende Kraft der Thatsachen und vor dem Lichtglanze einer großen historischen Persönlichkeit verblassen die trügerischen Schemen. An solchen Persönlichkeiten, die zugleich der Stolz der Menschheit und die besten Sachwalter des vielge-