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Im deutschen Reich · 1897-02-01 · Heft 2 (Februar 1897) · p. 112

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 2 (Februar 1897)
Article
Vereinsnachrichten
Date
1897-02-01
Page
112 (sequence 4)
Language
German
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112 Im deutschen Reich. MonLefiore und der französische Rechtsgelehrte Adolphe Cremieux mit Hilfe des englischen Konsuls eine Sinnesänderung Mehemed Alis bewirkt hatten und der erstere in Konstantinopel durch den Großvezir einen Ferman erlangt hatte, welcher die Gleichberechtigung der Juden feststellte. Aus der Thatsache, daß nur zu diesem Behufs Montefiore bis Februar 1841 im Orient verweilte, aber nie in Galizien war, geht auch die Unwahrheit des von dem antisemitischen Hochstapler Millinger alias Osman Bey (dem Genoffen Normann-Schumanns) erfundenen Märchens hervor, Montefiore habe 1840 auf einem „Sanhedrin" zu Krakau (me fand ein solches dort statt!) die Nothwendigkeit dargelegt, „die Presse zu verjuden!" — Nach seiner Heimkehr wurde Montefiore allseitig die größte Anerkennung gezollt, wobei die deutschen Juden mit den übrigen wetteiferten. 1845 erfolgte seine Ernennung zum Obersheriff der Grafschaft Kent. Ein Jahr später unternahm er, wieder im härtesten Winter, eine Fahrt nach Rußland, um vom Zaren Nikolaus die Rücknahme des Ukases zu erwirken, welcher den Juden den Aufenthalt auf dem flachen Lande untersagte. Bald darauf erlangte er die Würde eines Baronets. 1855 reiste er wieder nach Palästina, wo eine Hungersnoth wüthete, und linderte dort das Elend durch Begründung von Ackerbaukolonien, Armenhäusern, einer Windmühle re. Als 1858 der von einer Magd heimlich getaufte Knabe Edgar Mortara seiner Familie von den Mönchen gewaltsam entrissen wurde, reiste er im Aufträge des Board of Deputies nach Rom, konnte aber bei dem Papste keine Audienz und von dem Kardinal Antonelli nicht die Freigebung Mortaras erlangen. Am 25. September 1862 feierten MonLefiore und seine Gattin ihre goldene Hochzeit unter allgemeinster ehrendster Theilnahme. In Marokko, wo ein Spanier von seinen jüdischen Dienern vergiftet worden sein sollte und diesem auf der Folter die Lüge ausgepreßt worden war, daß er zur Mordthat von den angesehenen Glaubensgenossen angestiftet worden sei, waren 1863 entsetzliche Thaten gegen die Juden verübt worden. Unter den größten Gefahren reiste Montefiore nach Fez, rettete die ungerecht beschuldigten Juden, soweit dieselben noch nicht hingeopfert waren, und erwirkte vom Sultan für Christen und Juden eine gesicherte Stellung. Die in Palästina ausgebrochene Cholera veranlaßte ihn 1866 zu einer abermaligen Reise nach dem gelobten Lande, wo er ein Hospital und Schulen gründete und für eine bessere Wasserversorgung thätig war. 1867 legte er bei dem Fürsten Carl persönlich Fürsprache für die bedrängten rumänischen Juden ein, und in einer Audienz bei dem Schah erlangte er bald darauf die Zusicherung besserer Verhältnisse für die in Persien lebenden Juden und Christen

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