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Im deutschen Reich · 1897-02-01 · Heft 2 (Februar 1897) · p. 92

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 2 (Februar 1897)
Article
Umschau
Date
1897-02-01
Page
92 (sequence 7)
Language
German
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V2 Im deutschen Reich. sich in Oesterreich, wo man sich dem Wahn hingab, daß die klerikal-antisemitische BundeSgenosienschafL in leitender Stellung zur Mäßigung gezwungen sein würde. Daß der niederösterreichische Landtag beschloß, sämmtlichen evangelischen Schulen, welche nicht rein konfessionell sind sondern auch jüdische Schüler aufnehmen, ' die bisher gezahlten Zuschüsse zu entziehen, ist eine hübsche Probe dieser Mäßigung. Dem Präsidenten des Vereins zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der Wiener israelitischen Gemeinde gingen aus dieser Veranlassung folgende Schreiben zu: „In Folge des tief bedauerlichen Beschlusses des niederösterreichischen Landtages vom 5. d. M., durch welchen unschuldigen, armen Waisenkindern aus konfessioneller Intoleranz eine bisher gewährte Unterstützung aus Landes Mitteln entzogen wurde, sehe ich mich veranlaßt, einen bescheidenen Betrag (50 fl.) für den humanen Zweck des unter Ihrer Leitung stehenden Vereins zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israelischen Cultusgemeinde mit dem Ersuchen um Uebersendung der Veremsstatuten und mit dem Wunsche beizuschließen, daß Aehnliches von vielen meiner Glaubensgenossen geschehen möge. Chlumecky."— „Indem ich den in der gestrigen Sitzuug des niederösterreichischen Landtages gefaßten Beschluß tief bedaure, übersende ich anliegend den Betrag von 200 fl. und unterzeichne hochachtungsvoll Nieolaus Dumba." Ein noch grelleres Licht wirft auf die Gewaltthätigkeit des Wiener Gemeinderaths die Maßregel des Bezirksschulrathes, durch welche 800 zeitweilig angestellte Volks- und Bürgerschullehrer mit dem 1. Februar ihrer Dienstleistung enthoben worden sind und sich auf's Neue bei dem Stadtrath um ihre bisherigen Stellen bewerben müssen. Voraussichtlich werden nur solche Bewerber wieder ankommen, welche sich als klerikal-antisemitisch erweisen, die anders gesinnten, insbesondere aber die jüdischen Lehrer und Lehrerinnen gezwungen sein, sich andere Erwerbszweige zu suchen. Die jetzige städtische Verwaltung Wiens verfährt in rücksichtslosester Weise nach dem Grundsätze, daß dem Sieger die Beute gehöre. Dies zeigte sich kürzlich auch u.A. bei der Zuwendung des von dem verstorbenen Baron Königswarter für die technische Hochschule gestifteten Stipendiums, welches der Wiener Bürgermeister einem unter drei von dem Professoren-Kollegium vorgeschlagenen Bewerbern zugesprochen hat. Wie der Rektor der Hochschule Kick im niederösterreichischen Landtage mittheilte, hatte vas Kollegium in erster Linie einen, sehr begabten und sehr bedürftigen jüdischen Studenten vorgeschlagen, der das von einem Juden gestiftete Stipendium aber nicht erhielt, weil der antisemitische Bürgermeister Strohdach sich für berechtigt hielt, in diesem Falle einen Nichtjuden zu bevorzugen. Ueber diese Handlungsweise würde man sich nicht zu wundern brauchen, wenn folgender Bericht der „Breslauer Ztg." begründet sein sollte: „Ueber den Bürger-

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