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Im deutschen Reich · 1897-02-01 · Heft 2 (Februar 1897) · p. 80

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 2 (Februar 1897)
Article
Gabriel Riesser
Date
1897-02-01
Page
80 (sequence 7)
Language
German
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80 Im deutschen Reich. wesen hierin täuschen, sollte es scheinenals hätte das Bewußtsein, daß der Inhalt aller seiner Hoffnungen auf dem Spiele stehe, ihn hier und da etwas wärmer gemacht, so hofft er, daß billige Richter ihm dies. Vergehen nicht allzuhoch anrechnen werden." Einen „billigen Richter" hat Riesser seltsamer Weise in jenem jüdischen Geschichtsschreiber nicht gefunden, der ihm trotz dieser mannhaften Aussprache, trotz seines klar vorliegenden Lebens, Wirkens und Segens krämerhafte Beweggründe unterschiebt. Die Einseitigkeit des zionistischen jüdischen Geschichtsschreibers — der Deutsch und Jüdisch nicht als vollkommen gleichberechtigt anerkennt, für dieses den Vorzug vor jenem beansprucht — hat ihr entsprechendes Gegenstück in dem Chauvinismus Treitschke's gefunden, der den deutschen Juden nur dann voll anerkennt, „wenn er ganz und ohne Rückhalt im deutschen Leben aufgeht" (s. Vorwort), d. h. sich taufen läßt. Mit dieser Beschränkung beurtheilt Treitschke*) nach seiner Meinung Gabriel Riesier verhältnißmäßig günstig mit folgenden Worten: „Unterdessen hatte das Judenthum einen tapferen, beredten Vorkämpfer gefunden an dem Hamburger Juristen Gabriel Riesser, einem edlen, vaterländisch gesinnten Manne, dem seine Freunde nachrühmten, in ihm sei das Recht Gemüth geworden. Die Gleichberechtigung seiner Stammesgenossen war ihm Herzenssache, seit dem Anfänge der dreißiger Jahre vertrat er sie, oft heftig, aber immer ehrenhaft, in seiner Zeitschrift. „Der Jude" und in zahlreichen Flugschriften. Selber ein gemäßigter Liberaler, faßteer muthig den Stier bei den Hörnern und bekämpfte namentlich die badischen Liberalen. Er wußte wohl, daß seine Stammesgenossen, nur wenn sie durchaus zu Deutschen wurden, das gleiche Recht erlangen durften. Doch da er selbst so grunddeutsch empfand wie sein wackerer Freund M. Veit in Berlin, so behauptete er kurzweg, die deutsche» Juden hätten ihrer alten Nationalität schon längst entsagt. Hier lag die Schwäche seiner Ausführungen; er setzte voraus, was zu beweisen war. Wären alle deutschen Juden wirklich so gesinnt gewesen wie dieser begeisterte Patriot, dann *) Treitschke, Deutsche Geschichte im neunzehnten Jahrhundert, Bd. V. S. 632.

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