Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1897)
- Article
- Gabriel Riesser
- Date
- 1897-02-01
- Page
- 79 (sequence 6)
- Language
- German
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Gabnsl Riesser. 79 zum Angriff gereizt haben; er sei nothgedrungen zumWerkzeug geworden, die Freiheit nicht bloS seinen Glaubensgenossen, sondem damit auch dem deutschen Volk zu erringen! Allerdings macht Rieffer in der „Hamburg im Dezember 1830" datirten Vorrede zu seiner ersten Emanzipations-Schrift: „Ueber die Stellung der Bekenner des mosaischen Glaubens in Deutschland. An die Deutschen aller Konfessionen"*) kein Geheimniß daraus: „daß er zu denen gehört, die bei dem Erfolg der Sache, für die er streitet, im höchsten Grade persönlich betheiligt sind. Er ist bei der Wahl seines Standes seiner Neigung und der Hoffnung, eben dieser Sache so am Nützlichsten sein zu können, gefolgt, und sieht sich nun durch Gesetze religiöser Ausschließung nicht nur von dem Ziele eines erfreulichen Wirkens, von jedem Streben, das den Ehrgeiz des Mannes spornt und seine Kräfte spannt, sondern auch von jeder würdigen Stellung im bürgerlichen Leben, von jeder angemessenen Thätigkeit ausgeschlossen. Er glaubt nicht, daß man darum seine Bemühungen gering schätzen wird. Wer mit dem deutlich st en Be-, wußtsein an eine gute Sache sein Leben gesetzt hat, ist der darum zu tadeln, daß er mit der guten Sache sein Leben zugleich vertheidigt? Dennoch könnte vielleicht in einem Verhältnis, wo das persönliche Interesse des Vertheidigers mit dem Erfolg seiner Sache als unauflöslich verwebt erscheint, seine Stellung diesem einige Befangenheit, Anderen ein Vorurtheil gegen die Unbefangenheit seiner Ansichten einflößen; in einer Sache aber, wo es äußerlich so über Alles leicht ist, sich aller persönlichen Beweggründe durch den bequemsten Akt von der Welt zu überheben; wo also nur eine sittliche Nothwendigkeit den Kampf gebietet, und freie Opfer heischt; wo dem, dem es auf nichts anderes ankommt, als für seine Person nicht weiter belästigt zu sein, nichts willkommener ist, als nur so recht von ganzer Seele an dem Werth jener Sache verzweifeln zu können, um sich je eher je lieber von ihr loszusagen — in einer solchen Sache wäre jene Befangenheit kindisch und jenes Vorurtheil sinnlos. Der Verfasser glaubt nicht, daß seine besondere Stellung, die die Folge seiner Ansichten ist, auf diese irgend eingewirkt; sollte er sich zu seinem Leid- *) Gabriel Riesser's Gesammelte Schriften II, S. 10.