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Im deutschen Reich · 1897-02-01 · Heft 2 (Februar 1897) · p. 76

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 2 (Februar 1897)
Article
Gabriel Riesser
Date
1897-02-01
Page
76 (sequence 3)
Language
German
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76 3m -rutschen Reich. den würdigen Nachkommen eines Mannes, dessen Verehrung der mir mit jedem Jahre zunehmen muH, well ich mich immer mehr überzeuge, seinesgleichen nicht wiederzufinden." So schrieb Gabriel Riesser's Vater dem Sohne über den Großvater 24 Jahre nach dessen Heimgang. Ein schönes Zeugniß für Sohn und Ahnen. Und diesen Vater nennt eine einseitige Geschichtsschreibung*) einen „gemüthlich zerflossenen" eitlen Deklamator und Drechsler hebräischer und deutscher Phrasen, weil er, der in einer hebräischen Lebensbeschreibung seinen verehrten Schwiegervater verherrlicht, nachmals (1819) in einem „Sendschreiben an meine Glaubensgenossen in Hamburg" die Andacht im Hamburger Reformtempel dem Lärm in der altrituellen Synagoge gegenüber gerühmt hatte! Der Sohn blieb dieser Anschauung des Vaters treu, ward ein eifriger Anhänger und treuer Berather und Vorsteher der Hamburger Tempelgemeinde und errang ihrem vom Rabbiner Bernays in Bann gethanen Gebetbuche die noch heute wirksame Anerkennung. Was Gabriel Riesser dieser sein (1828 Heimgegangener) Vater war, das bekundet der uns glücklicher Weise erhaltene Briefwechsel Beider während der Studienzeit des Sohnes, ein würdiges Seitenstück zu demjenigen Theodor Körner's und seines Vaters; das leuchtet durch in den herrlichen Worten Riesser's in seiner Denkschrift: „Betrachtungen über die Verhandlungen der zweiten Kammer des Großherzogthums Baden über die Emanzipation der Juden" von 1831, mit denen er die gegnerischen Angriffe auf die sittliche Bedeutung der jüdischen Ceremonien zurückwies: „Darum müßt ihr auch das jüdische System gottesdienstlicher Verrichtungen und Entsagungen, verbunden mit seinen Segensformeln und Gebeten als ein lebendiges Ganze in seiner vollen Wirksamkeit auf innig religiöse Gemüther betrachtet haben, um es zu begreifen: auf solche Gemüther, die auch bei hoher Bildung und Hellen, freien Religionsbegriffen darin leben, wie in einer warmen Atmosphäre des Glaubens und der Andacht, di? die Seele um sich her geschaffen, der sie Geist und Liebe eingehaucht, um sie von ihr zurück zu empfangen, von' der sie in jeder Empfindung, jeder Thätigkeit des Lebens begleitet wird, in die sie sich hüllt, um vor dem erkältenden Einfluß der Lebenssorgen und Lebenslüste ') Grätz, Geschichte der Juden, Band XI, 170, 423.

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