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Im deutschen Reich · 1897-02-01 · Heft 2 (Februar 1897) · p. 75

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 2 (Februar 1897)
Article
Gabriel Riesser
Date
1897-02-01
Page
75 (sequence 2)
Language
German
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Gabriel Rieffer. 75 Altona, der als Rabbiner der drei ■ verbundenem Judengemeinden Altona, Hamburg und Wandsbeck religiöse und richterliche Machtbefugnisse in sich vereinigte. Er war einer der vier hervorragendsten deutschen Rabbiner — außer ihm der zu Prag, Frankfurt a. M. und Fürth, — welche den Bann gegen die Leser von Moses Mendelsohn's deutscher Bibel auösprachen. Von ihm schrieb Mendelsohn 1779: „Der Rabbi in Altona läßt vor der Hand seine Donnerkeile ruhen, vielleicht um sie bei einer günstigeren Gelegenheit, wenn er erst das ganze Werk vor sich haben wird, wieder aufzunehmen." Er starb 1803 als 8 Ijähriger Greis zu Hamburg, nachdem er 4 Jahre zuvor Rabbinat und Richteramt freiwillig niedergelegt hatte, weil ihm die dänische Regierung, unter ausdrücklicher Anerkennung insbesondere seiner hervorragenden richterlichen Thätigkeit, das Recht des Synagogenbannes entzog. Mit ihm gab auch Gabriel's Vater sein Gemeindeamt auf und zog nach Hamburg. Welch ein ausgezeichneter Mann dieser Großvater unseres Gabriel war, welchen tiefen begeisternden Eindruck er auf seinen Jünger und Schwiegersohn, den Vater unseres Gabriel hinterlaffen, das bekundet ein Brief, den dieser dem 21jährigen Gabriel 1827, ein Jahr danach, schrieb, nachdem dieser in Heidelberg summa cum laude Doktor beider Rechte geworden. Sein sehnlicher Wunsch' war ein akademisches Lehramt. Weder dies, noch die Anwaltschaft stand ihm als Juden offen. Der Vater stellte ihm die Möglichkeit vor, in Hamburg unter dem concepi eines christlichen Kollegen oder als Notar für jüdische Ehe- und Erbschaftssachen zu praktiziren. Beides lehnte der Sohn ab; er wolle selbstständig, unabhängig sein. „Ja — schrieb ihm der Vater darauf — Du bist ein würdiger Enkel meines großen Meisters,, des hochseligen Raphael Cohen! So und nur so hat der Hochselige in seiner Zeit gedacht und gehandelt; so und nur so mußt Du denken und handeln, wenn ich das Glück haben soll, der Welt ein Ebenbild des großen Mannes in einem seiner Enkel aufzustellen! — Ich, ein treuer, langjähriger Schüler und zartgeliebter Sohn eines solchen Helden sollte Deine kraftvolle, mannhafte Sprache nicht zu würdigen verstehen? Sollten seine Lehren, sollte seinBeistand so geringen Einfluß auf mich gehabt haben? Da doch im Gegentheil bei jeder wichtigen Gelegenheit in meinem Leben mir sein Bild, seine Heldenthaten und seine Energie im Denken und Handeln so lebhaft vorschweben? — Ich sehe in Dir

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