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Im deutschen Reich · 1897-02-01 · Heft 2 (Februar 1897) · p. 72

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 2 (Februar 1897)
Article
Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
Date
1897-02-01
Page
72 (sequence 3)
Language
German
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72 3m deutschen Reich. muthigen! Wie Viele, namentlich in dem jüngeren Heranwachsenden Geschlecht«, blicken mit Mißbehagen auf ihre jüdische Abkunft, schauen mit Bangen in die Zukunft. Mögen sie aus dem Lebenslauf jener Ehrenmänner, die, zumeist nicht ohne schwere Kämpfe mit der Ungunst der Verhältnisse, mit Vorurtheil und Argwohn sich so herrlich entwickelten und ihrem Vaterland zum Segen wurden, das erhebende Bewußtsein schöpfen: daß deutsch und jüdisch keine Gegensätze sind, daß man ein guter Deutscher und zugleich ein treuer Jude sein kann, daß ein guter Jude in Deutschland ein treuer Deutscher sein muß. Und den Dank den edlen Männern zu spenden, die zumeist vor Jahrzehnten schon den Erdenlauf abschlossen, ist ebenso Herzenspflicht als Freude. Sie haben allesammt ihr redlich Theil dazu beigetragen, daß unser deutsches Vaterland werde, blühe und gedeihe, haben in Gemeinsinn und Vaterlandsliebe sich als treue Deutsche bewährt, und gewissenhaft und opferwillig Schulter an Schulter und Hand in Hand mit ihren Parlamentsgenossen anderen Glaubens gearbeitet. Unvergessen soll ihr Name und ihr Gedächtniß bleiben. Neben ihnen, dm leuchtenden Vorbildern, waren — und sind, darf man Gott sei Dank trotz alledem noch hinzufügen — in engeren Kreisen in Deutschland Tausende von Deutschen jüdischen Bekenntnisses in öffentlichen Stellungm als Vertrauensmänner und Vertreter ihrer Mitbürger thätig. Blicken wir beispielsweise nur auf Preußen. Wie groß war und ist die Zahl der Stadtverordneten, ja der Stadtverordneten-Vorsteher und der unbesoldeten Stadträthe jüdischen Bekenntnisses! Gewiß weit über die Verhältnißzahl des eigenm Bekenntnisses zu den anderen hinaus. Und woher kommt das, wie war es möglich, daß, sobald die Gesetzgebung aus der Judenschaft Mitbürger jüdischen Bekenntnisses schuf — sich auch sofort so viel geeignete Kräfte aus ihrer Mitte fanden? Das alte jüdische Gebetbuch giebt die Antwort. Jeden Sabbath ward im Gottesdienst öffentlicher Dank denen ausgesprochen, die sich in Treue dem Gemeinwohl widmen.*) Seit einem Jahrtausend gilt es in jüdischm Gemeinden für Ehrenpflicht, an den Angelegenheiten der Gemeinde und ihrer wohlthätigen Einrichtungen thätigen Antheil zu *) Scheoskim bezorche zibur beemimo.

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