Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1897)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1897-02-01
- Page
- 71 (sequence 2)
- Language
- German
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Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses. 71 nichts wissen will von Joseph. Da.ist es denn wohl angezeigt,, derjenigen Zeiten zu gedenken, da es anders in Deutschland bestellt war,, da das deutsche Volk bic Eigenschaften deutsch und national nicht, im Sinne der Gehässigkeit und der Ausschließlichkeit, sondern in dem der Liebe und der Gerechtigkeit auffaßte und bethätigte, da es nicht den redegewandten Phrasendrechslern, die um Stimmen buhlen, die unter Aufstachelung der Volksleidenschasten sich vor- und aufdrängen, Mandate übertrug, sondern tüchtigen, durch Thaten er-, probten Männern, ohne Rücksicht auf Abstammung und Religionsbekenntniß. Vielleicht wissen viele von dem jetzt lebenden Geschlecht gar nicht, daß es solche Männer jüdischen Bekenntnisses in Deutschland gegeben hat. Oder wenn sie es wissen, so sind sie doch vielleicht übel unterrichtet. Wie oft hörte und las man z. B. in den letzten Jahren schiefe Urtheile über Lasker, suchte man ihn sogar als Gründer und Gründergenoffen darzustellen! Das heutige Geschlecht ist zum guten Theil zu jung, um sich der Glanzzeit Lasters, die zugleich die Glanzzeit des deutschen Reichs, seines Reichstags und seiner Gesetzgebung war, aus eigener Wissenschaft zu erinnern, oder hat vergessen, wie gerade Lasker es gewesen, der vor 24 Jahren dem bodenlosen Gründerthum sein erfolgreiches Halt, sein luftreinigendes quos ego entgegenrief, wie gerade die Selbstlosigkeit, die Uneigennützigkeit, der Gegensatz von allem Streberthum, Lasker's auch von den Gegnern unbestrittenen Ruhmeskranz bildet. Darum, und noch aus manch anderem Grunde, ist es zeitgemäß, dem jetzt lebenden Geschlecht das Bild der Männer jüdischen' Bekenntnisses vor Augen zu führen, die vor einem Menschenalter bereits für das deutsche Volk wirkten und lebten, die von ihm zu Vertretern gewählt wurden und dieses in sie gesetzte Vertrauen bewährt haben. Auch aus andern Gründen erscheint das Unternehmen gerade jetzt berechtigt. Es soll die Gewissen schärfen, soll die Schwankenden tröstend ermuthigen, soll eine Dankespflicht erfüllen. Die Gewissen schärfen! Deutsche Männer, Mitbürger! Wie lange noch soll die ebenso undeutsche wie unchristliche Aechtung Eurer Vaterlandsgenossen jüdischen Bekenntnisses fortdauernd Haben sic umsonst gelebt und gestrebt, jene von Euren Vätern und von Euch gewählten und geehrten Männer? — Die Schwankenden er-