Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1897)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1897-02-01
- Page
- 73 (sequence 4)
- Language
- German
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Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses.?K nehmen. Die Wohlhabenden und die Männer des Wissens hielten sich nicht abseits, sondern setzten ihre Ehre darein, an der Spitze der Gemeinde als Vertrauensmänner für deren Bestes zu sorgen. Daher entwickelte sich von Geschlecht zu Geschlecht in Mischen Kreisen jener Gemeinstnn, jene Opferwilligkeit, jenes Verwaltungsgeschick, jene Umsicht, deren Männer des öffentlichen Vertrauens bedürfen und die noch jetzt all den politischen Gemeinden zu Gute kommt, welche solchen Männern — heutzutage muß man ja dreimal unterstrichen: trotz sagen — trotz ihres jüdischen Bekenntnisses als Stadträthen und Stadtverordneten ihr Vertrauen schenken und sich in diesem ihrem Vertrauen nicht getäuscht fühlen, auch von den Hetzern nicht irre machen lassen. Heinrich von Treitschke sagt in seiner „Deutschen Geschichte im neunzehnten Jahrhundert", in der er in bekannter Weise allen Unglimpf auf die bösen Juden häuft, von einer Ausnahme, von Felix Mendelssohn - Bartholdi: „Mendelssohns edles und großes Wirken bewies für alle Zukunft, daß der deutsche Jude wahren Ruhm erringen kann, wenn er ganz und ohne Vorbehalt im deutschen Leben aufgeht."**) Wenn unter „ohne Vorbehalt" Aufgabe des Väterglaubens, des Familienbandes verstanden werden muß, dann könnte den Männern, deren Wirksamkeit die nachfolgenden Bilder der Gegenwart ins Gedächtniß rufen sollen, der Preis des wahren Ruhmes nicht zu Theil werden. Glücklicherweise wird ein unbefangenes Urtheil anders lauten: sie gingen ganz im deutschen Leben aus, sie waren für deutsches Leben opferwillig thätig — aber sie hingen mit gleicher Treue am jüdischen Bekenntniß, sie bewiesen, daß deutsch und jüdisch kein Gegensatz ist. Sie haben den gerechten Anspruch auf wahren Ruhm errungen. Dresden. Emil Lehmann. **) IV. S. 465.