Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1897)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1897-02-01
- Page
- 70 (sequence 1)
- Language
- German
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'70 Deutsche Volksvertreter jüdischen Lekenntnisses. Vorwort. «Wählt keinen Inden!" Das ist seit Jahren das Stichwort der Konservativen aller Schattirungen in Deutschland, der Weisheit letzter Schluß aller, die sich mit Pharisäerstolz «national nennen, die deutschen Sinn und deutsche Treue, deutsche Liebe undeutschen Geist in alleinige Erbpacht genommen zu haben sich rühmen oder sich einbilden. Und in der That ist es diesen vor Jahr zu Jahr immer weitere Kreise bis tief in den linken Flügel hinein mit ihrem «nationalen" Streberthum ansteckenden Hetzern gelungen, so ziemlich alle deutschen Parlamente, an ihrer Spitze (vor Sozialdemokraten abgesehen) das bedeutungsvollste, dem vor Jahren noch die bedeutendsten Männer angehörten: den Reichstag — um dar schnöde Antisemitenwort zu brauchen — „judenrein" zu gestalten. Unser zeitgenössisches Geschlecht weiß es nicht anders, und will es auch — wie es scheint — nicht anders: Juden, so wähnt es, gehören nicht in der Reichstag, nicht in die Einzellandtage, nur Evangelische und Katholiken haben dort Platz und Recht. Und diese parlamentarische Judensperre droht auch nach unten hin in weiteren Kreisen Schule z» machen. Auch im engeren Verbände der Provinz, der Gemeinde, begegnet man heutzutage ähnlichen Anschauungen und Erscheinungen. Es giebt namhafte Städte in Deutschland, in denen seit länger als einem Jahrzehnt kein Mitbürger jüdischen Bekenntnisses mehr zum Stadtverordneten vorgeschlagen, geschweige denn gewählt wird. Das Heranwachsende Geschlecht hält das wohl gar für selbstverständlich, für sachgemäß, für konservativ, das heißt für erhaltenswerth, ja für hergebracht und berechtigt. Es lebt jetzt ein G: schlecht, das, wie es so packend in der Bibel heißt, nichts mc.