Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1897)
- Article
- Berlin
- Date
- 1897-01-01
- Page
- 48 (sequence 2)
- Language
- German
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48 3m deutschen Reich. Religionsunterricht Nachweisen wollen und können. So ist die Nothwendigteit der religiösen und moralischen Unterweisung für ein jedes israelitische Kind mit den Anforderungen der Gewissensfreiheit vereinigt. Ein Synagogengemeinde-Vorsteher, welcher einen Ausländer ohne die vorgeschriebene Genehmigung als Synagogenbeamten angenommen hatte, war deshalb in der Berufungsinstanz von dem Landgericht zu Posen verurtheilt worden. Die hiergegen eingelegte Revision hat jetzt der Strafsenat des Kammergerichts zurückgewiesen. Er interpretirte dabei den § 71 des Gesetzes über die Verhältnisse der Juden vom 23. Juli 1847 dahin, daß zur Annahme eines ausländischen Juden als Synagogenbeamten selbst dann die behördliche Genehmigung erforderlich ist, wenn dieser vom Minister des Innern die Erlaubniß zur Niederlassung erhalten hat, seine Naturalisation nach Maßgabe des Reichsgesetzes vom 1. Juni 1870 aber nicht erfolgt ist. In der „Allg. Zig. des Judenthums" wird auf eine „zeitgemäße Erinnerung aus Preußens Geschichte" verwiesen, über welche Näheres in dem in der Kgl. Bibliothek zu Berlin vorbandenen 3. Jahrgang (1842) der s. Z. von dem Professor Dr. Julius Fürst herausgegebenen Zeitschrift „Orient" nachgelesen werden kann. Dort ist S. 211 ein aus Stolp datirter, „Ä. E. Abel" Unterzeichneter Brief abgedruckt, in welchem es heißt: „1800, nach der unglücklichen Schlacht bei Jena und Auerstädt, flüchtete unser hochseliger König hier durch Stolp, die hochselige Königin mit ihren Kindern durch Märkisch-Friedland. Sie kam auf dem Markt dort an und verlangte Vorspann. Die Bürger vermochten ihr diesen nicht zu geben, sie hatten ihre guten Pferde in den Wäldern versteckt vor dem Feinde, und die zurückgebliebenen waren zu schlecht. Die Königin weinte, denn der Feind war nur drei Meilen entfernt. Da machte Joseph Moses Stargard Anstalt, und Marquard (soll wahrscheinlich heißen: Marquald) und Mehrere spannten ihre besten Pferde vor und retteten die Königin mit ihren Kindern. Als sie am Orte ihrer Beförderung waren, dankte ihnen die Hochselige, sagend: Gott wird mir helfen, und dann soll es Euch gedacht werden." — Vielleicht lassen sich auch noch die Einzelheiten einer im Jahre 1848 von Juden vollbrachten ähnlichen That glaubwürdig Nachweisen. Der Fabrikbesitzer W. Hagelberg der am 24. Dezember 1896 in Folge eines Schlagflusses im zweiundsiebzigsten Lebensjahre verschied, hat sich um die Hebung der Berliner Luxuspapierindustrie große Verdienste erworben. Der Verstorbene war u. A. Mitglied