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Im deutschen Reich · 1897-01-01 · Heft 1 (Januar 1897) · p. 44

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 1 (Januar 1897)
Article
Umschau
Date
1897-01-01
Page
44 (sequence 7)
Language
German
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44 3m deutschen Reich. demselben Geiste wie Bunsen hat der jüngst verstorbene große Forscher Emil du Bois-Reymond Stellung wider den Antisemitismus genommen, gegen welchen er sich sowohl als Rektor der Berliner Universität als auch in den Sitzungen der Berliner Akademie wiederholt. mit Entschiedenheit aussprach. In verschiedenen öffentlichen naturwisienschaftlichen Vorlesungen nahm er Gelegenheit, die Verdienste der Juden um die Förderung der Medizin und der Astronomie im Mittelalter hinzuweisen und alle gehässigen Vorurtheile zu bekämpfen. Wenn auch der Hintritt solcher vorurteilsfreier Männer stets eine schmerzliche Lücke in den Reihen der Kämpfer gegen den Antisemitismus zurückläßt, steht doch zu hoffen, daß sich nun wieder andere hochgestellte und hochbegabte Nichtjuden bereit finden werden, dem antisemitischen Unwesen entgegenzutreten, wovon viele Wohlgesinnte in letzter Zeit die Scheu vor den schnödesten Verunglimpfungen zurückgehalten hat. Der Terrorismus, den antisemitische Unholde nicht nur gegen einzelne angesehene Männer, sondern auch gegen Behörden ' auszuüben wagten, hat durch die beiden Prozesse Marschall und Mirbach hoffentlich sein Ende erreicht. Jetzt weiß man, wer die Helfershelfer waren und man weiß, daß die „Flucht in die Oeffentlichkeit" das einfachste Mittel ist, diese lichtscheuen Gesellen unschädlich zu machen. Noch „giebt es Richter in Berlin" und noch giebt es zahllose von dem Hetzgist unverdorbene Menschen, die Liefen Ekel vor denen empfinden, die von „jüdischen Fleischbesudelungen" faseln, aber selbst in verderblichster Weise jeden, ob hoch oder niedrig, der sich nicht zu ihrem Knecht macht, zum „Judensprößling" oder zum „Judenknecht" stempeln, die überall Haß, Neid und Argwohn säen und so seit Jahren die geistige Nahrung des deutschen Volkes besudeln! Die Verhältnisse, welche in Oesterreich durch die Erfolge der Antisemiten geschaffen worden sind, dienen als warnendes Beispiel. Wie die Konservativen in Deutschland noch rechtzeitig die Nothwendigkeit einsahen, sich von einer Partei zu sondern, deren demagogisches Treiben sich ihnen in seiner ganzen Gefährlichkeit enthüllt hatte, werden früher oder später die österreichischen Klerikalen erkennen, daß die antisemitische Hochfluth nicht durch den Ruf eingedämmt wird: „Stock, der du gewesen, stehe wieder still!" Noch gehen in Oesterreich Christlich- Soziale und Deutsch-Nationale Hand in Hand, wenn es gilt, die Liberalen aus einflußreichen Stellungen zu verdrängen. Dies zeigte sich zum Beispiel am Jahresschlüsse im Kuratorium der „Kaiser Franz Josef-Stiftung für das Kleingewerbe" in Wien. Dieses Institut, das würdigen Handwerkern mit Darlehen und Unterstützungen aus-

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